Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 17 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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253 „vielleicht fommt es doch nicht zum Äußersten," meinte Zipora unter Thränen. „Vielleicht — wiederholte ungläubig ihr Gatte, inderu er aufstand und sich bald darauf entfernte. Zipora und ihr Lohn unterhielten sich noch lange über das Lchicksal der armen Königin Mariamne. „Vielleicht fommt es doch nicht zum Äußersten" hatte Zipora Batyra gesagt. Allein diese Hoffnungen erwiesen sich als trügerisch. Die Königin Mariamne wurde unter der Anklage des versuchten Gattenmordes vor Gericht gestellt. 2111c Versicherungen und Beteuerungen, daß die Königin unschuldig sei, fanden kein Gehör. Der mitbeschuldigte Mundschenk Zor wurde aus die Folter gespannt, damit er ein Geständnis ablege; allein in dem Bewußtsein der Unschuld erlitt er die gräßlichsten Folterqualen, aber er ließ sich nicht zu einem falschen Geständnis herbei. Alles vergebens. Die Richter ließen sich von der Lchuldlosigkeit der Königin nicht überzeugen und verurteilten sie zum Tode. Ltandhaft hörte die Unglückliche die Verkündigung des Urteils, ganz so wie es dem Lprößling des hasmonäischen Heldenstammes gebührte. Von jetzt ab durste sie ihre Gemächer nicht mehr verlassen, und niemand, selbst ihre Mutter nicht, durste sich bei ihr aushalten. Nur Noemi war es noch gestattet, bei ihr zu bleiben, und dieses Kind bildete ihren einzigen Trost in den letzten Ltunden des Lebens. Trotz ihrer Zugend hatte sie für das traurige Geschick ^der Königin volles Verständnis, die Vorgänge der letzten Zeit hatten ihren kindlichen Frohsinn und die jugendliche Heiterkeit von ihrer Ltirn gescheucht, und ein über ihr Alter hinausragender Ernst bemächtigte sich ihrer. Lie wich nicht mehr von der Leite der Königin, und hatte sie auch tröstende Morte für ihre unglückliche Mohlthäterin, so nagte an ihrem jugendlichen Herzen doch der Kummer, den sie wohl zu verbergen wußte. U)ar sie aber allein, da stoffen ihre Thränen unaufhörlich, der Gedanke an die bevorstehende Trennung von ihrer geliebten Herrin hatte sie der Verzweiflung nahe gebracht. Reizlos und öde erschienen ihr die duftigen Gärten, traurig klang der Gesang der Vögel, Lpeise und Trank vermochten sie nicht zu laben, kein süßer Lchlummer erquickte sie. Nur zwei Tage noch — und die geliebte Königin sollte ihr für immer entrissen werden. Den Tag vor ihrer Hinrichtung verbrachte sie in inbrünstigen Gebeten, plötzlich unterbrach sie sich, schritt zu einem Lchrank, in dem sich ein Kästchen befand. Lie öffnete dieses und entnahm ihm mehrere kostbare Gegenstände und zuletzt die goldene Kapsel, die zu Anfang unserer Erzählung eine so bedeutende Rolle spielte.