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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 16 (1898) · p. Seite 241

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
16 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 241 (sequence 11)
Language
German
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241 die Römer die ganze Welt beherrscht, und die lateinische Sprache lebte nach Jahrhunderte lang nach Chr. — und da sollte es keine lateinische Übersetzung gegeben haben?" Freilich gab es schon frühzeitig, gegen Ende des zweiten Jahrhunderts n. Chr., eine lateinische Bibelübersetzung, die sogenannte vvrcho itala, kurzweg Jtala genannt. Sie war natürlich nur ans dem Griechischen der Septuaginta übersetzt und ist Jahrhunderte lang in Gebrauch gewesen. Aber sie war durch das oftmalige Abschreiben der einen, wobei sich Auslassungen und Zusätze einschlichen, wie auch durch die Änderungen und verschiedenartigen Übersetzungen der anderen endlich so verwirrt und unbrauchbar geworden, das Hieronymus um das Ende des 4. Jahrhunderts im Aufträge des Papstes eine neue Übersetzung des Alten und Neuen Testaments anfertigte. Hieronymus, der gelehrte Mann des Abendlandes, war um 340 zu Stridon in llngarn (in der Nähe der steiermärkischen Grenze) geboren, kam aber frühzeitig nrch Rom, wo er Latein und Griechisch nüt großen: Eifer und Erfolg lernte. Später machte er Reisen, kam nach Gallien und bis an den Rhein und zcg endlich auch nach dem Orient. In Antiochien hatte er einen Traum, infolge dessen er sich entschloß, seine Hauptthätigkeit fortan nicht mehr den griechischen und lateinischen Schriftstellern, sondern der Bibel zuznwenden. Bon nun an führte er auch ein frommes und strenges Büßerleben. Nachdem er einige Zeit in Constantinopel und dann wieder in Rom verweilt hatte, zog er sich nach Bethlehem in Palästina zurück, wo er über 30 Jahre lang ein einsiedlerisches Leben führte. Hier ist er im Jahre 420 gestorben und begraben. Griechisch und Lateinisch hatte er in jungen Jahren, Hebräisch aber erst als Mann von jüdischen Lehrern gelernt. Für das Nene Testament verglich er die vorhandene lateinische Übersetzung mit dem Griechischen der Septuaginta und verbesserte, wo es nötig war; das Alte Testament übersetzte er ganz neu aus den: Hebräischen. Diese Übersetzung dauerte etwa 12 Jahre; um das Jahr 405 ist sie fertig geworden. Da Hieronymus v n schwächlichem Körper und seine Augen schlecht waren, so schrieb er nicht selbst, sondern diktierte seine Übersetzung einem Schreiber. Bon den Päpsten begünstigt, wurde diese Übersetzung bald die angesehenste unter den sonst noch vorhandenen Übersetzungen und allmählich, namentlich seit dem 9. Jahrhundert, die allein gebräuchliche. Daher ihr Name Vulgata, d. h. die allgemein gebräuchliche. Sie ist noch heute die allein gültige in der katholischen Kirche. Aus ihr haben die Vilker des Abendlandes das ganze Mittelalter hindurch die heiligen Schriften kennen gelernt, und durch sie wurde das Lateinische die Sprache der Kirche und der Gelehrten. Die Vulgata gehörte zu den ersten Büchern, die gleich nach der Erfindung der Buchdruckerknnst gedruckt wurden (97 mal bis zum Jahre 1500). Übrigens sind neben der Vulgata, weil auch in sie mit der Zeit

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