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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 15 (1898) · p. Seite 229

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
15 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 229 (sequence 15)
Language
German
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229 schien ihr Los zunächst so beklagenswert. Ein ähnlicher Gedanke, wie Rückert ihn ausdrückt in den: Verse: Weh' dem. der 51t sterben geht und keine Liebe geschenkt hat, Dem Becher, der zu Scherben geht und feilten Durst'gen getränkt hat. Und so wurde es Sitte in Israel, heißt es in der Erzählung weiter, daß alljährlich an vier Tagen im Jahre die Töchter Israels auszogen, zu preisen die Tochter Jephtas des Gileaditen. Wohlgemerkt! Später wurde sie nicht beweint, sondern selig gepriesen. Ihr zu Ehren wurde also ein Freudenfest der Jungfrauen gefeiert, gleichwie es bei den Griechen zu Ehren der Artemis stattfand, welche von den Jungfrauen durch Reigen und Tanz gefeiert wurde. Diesem Feste im Hochsommer entsprechend, wurde auch im tiefsten Winter, mit 15. Schwat (ungefähr Ende Januar), ein Volksfest als „Neujahr der Bäume" gefeiert. Jedoch sind uns über die Art und Weise der Feier dieses letzteren Festes keinerlei Nachrichten überkommen. Äm besten daheim! Ernas Mutter war krank, sehr krank, und der Arzt hatte eine Badekur verordnet. Im fernen W. sollte sie wieder Genesung finden, und der Vater sollte sie begleiten. Was sollte aber inzwischen aus Erita werden? Da war der Vorschlag von Onkel und Tante den Eltern sehr willkommen, ihr Töchterchen während ihrer Abwesenheit auf das Land zu geben. Auf das Land! Erna traute ihreit Ohren kaum, als sie die Botschaft hörte. Sie war noch nie auf dem Lande gewesen, aber im bloßen Gedanken daran schien es ihr wie von ivahrein Zauber umgeben. Kam doch der Mann, der ihr alle Tage die schöne süße Milch brachte, vom Lande; und hatte er ihr nicht erzählt, wie dort die Blumen auf Feld und Wiese wuchsen, die jederntann zu bunten Sträußen Pflücken konnte? und auch die Vögel ließen ihre Lieder viel lieblicher erschallen, als selbst in den öffentlichen Spaziergängen und Gärten der Stadt. Alle diese und noch andere Herrlichkeiten, von denen sie gehört, erfiillten ihre kindliche Fantasie so sehr, daß sie nicht einmal daran dachte oder nur ganz flüchtig, daß sie sich ja das erste Mal in ihrem Leben von ihrem guten Vater, von der zärtlichen Mutter tremren sollte, die sie doch so ganz von Herzen liebte. Aber mm war es entschieden. Der Tag der Abreise kam; mit unterdrücktem Weh schloß die Mutter sie nochmals in die treuen Arme; der Vater aber verließ sie nicht eher, als bis er sie sicher und geborgen wußte im Kreise der Verwandten. Auch er drückte noch einen warnten Kuß auf des Kindes Stirn und — nun war Erna allein! Allein? 0 nein! sie war im Nu umringt von ben munteren Vettern und

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