Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 15 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 14)
- Language
- German
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228 Nach talmudischer Ansicht verdankt dieses Fest einer geschichtlichen T Hatsache und einem religiösen Gebrauche sein Entstehen. Es soll ferner eine Kundgebung gegen die Sadduzäer gewesen fein. Der Ursprung dieses festes würde daher irr eine verhältnismäßig späte Zeit fallen, da das geschichtliche Ereignis, welches der Talmud als Grund anführt, frühestens in die Zeit der Sprerherrschaft zu sehen ist, und als Kundgebung gegen die Sadduzäer das Fest in nach späterer Zeit erst entstanden sein kann. Jedoch sprechen gewichtige Gründe gegen die späte Evtstehnngszeit dieses Festes, wenn auch andererseits nicht zu leugnen ist, daß dieses, nuferer Überzeugung nach uralte Fest zur Zeit der Kämpfe zwischen Sadduzäern und Pharisäern van den letzteren, r volkstümlichen Partei, ganz besonders begünstigt wurde und infolge dessen erst znnr höchsten Freudenfeste der jernsalemischen Bevölkerung sich entwickelt haben mag. Schon zur Zeit der Richter nämlich fand in der Nähe des damaligen ephraimitischen Nationalheiligtuins zu Silo ein ähnliches Fest statt. Es wird uns aus dieser Zeit berichtet, daß alljährlich an einem bestinunten Tage die Töchter Silos hinanszogen zwischen die Weinberge, um am Reigentänze sich zu ergötzen. Ein solches Fest benutzten einst die unbeweibten Männer aus denr Stamme Benjamin, um diese Jungfrauen zu rauben und sich zu Weibern zu uehinen. Die Folgen dieses Franenranbes waren aber nicht so blutige, wie die bei dem Raube der Sabinerinnen. Auch an eine andere Erzählung aus der Richterzeit werden wir unwillkürlich bei Betrachtung dieses Jnngfranensestes erinnert, nämlich alt die Geschichte vortder TochterJePhtas, ihrentgeheimnisvollen Endennd dernterkwürdigeit Feier, die zur Ehre ihres Andenkens von deit Töchtern Israels alljährlich begangen wurde. Bekanntlich hatte Jephta vor der Schlacht das Gelübde gethan, int Falle er als Sieger heimkehre, dasjenige, was ihm zuerst aus den Thoren seines Hauses entgegenkonune, seinem Gotte zu opfern. Nach errungenem Siege in seine Heimat zuriickgekehrt, sieht er seine Tochter, sein einziges Kind, ihin entgegeukommen, um mit Paukenschlag und Siegessang beit Baker zu begrünen. Dieser erschrickt und kamt kaum die Worte Hervorbringen: „Mein Kütd, wie hast du mich so sehr betrübt! Ich habe ja meinen Mwtd ausgethan 31t dem Ewigen und kann es iticht znrücknehmen." Sie aittwortet ihin: „Meill Bater, hast btt deinen Mund ausgethan zu Gott, so thtie ntir, wie atts deüteut Munde gegangen: nur gönne inir zlvei Moitate Zeit, das; ich zwischen beit Bergen lvandele und meine Jugend beweine, ich und meine Gespielinnen." Nachdem er ihr dieses zllgestandeit, kehrt sie nach Ablauf der zwei Moitate heiin, „arid er that an ihr sein Gelübde, und sie ist feinem Manne zuteil geworden." Sie beschloß also ihr Leben, ohne durch Liebe zu beglücken oder beglückt 311 werden, deshalb er-