Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 13-14 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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206 nicht tu des Königs Palast die Wahrheit zu predigen, wofür er in den Kerker gethan wttrde. Sehet, wie ernst nnd mit welcher Ausdauer Jerennja seine Pslicht erfüllte. Er hätte itur freundlich zu sprechen brauchen nnd die Wahrheit zn verschtoeiget:, nttd die Pforten des Gefängnisses hätten sich geöffnet, und er hätte die Freiheit genießen können. Aber lieber wollte er die Schmach der Gefangenschaft erleiden, als den ihn: von Gott gewordenen Auftrag tut erfüllt lassen. Erst als Gewissensbisse den König lZedekijah) quälten, wurde der Prophet befreit. Es ist sonderbar, daß der edle Prophet mehr von dem fremdelt Eroberer Nebnkadnezar als von seinen eigenen Landsleuten geschätzt wurde. Als Jerusalem gefallen nnd das Volk als Gefangene nach Babplon geführt worden tvar, wurde Jerennja die Wahl gelassen, als geehrter Gast des Königs in Babylon zn wohnen oder in Judäa zn bleiben. Ihr werdet leicht erraten können, wozu Jeremija sich entschloß. Äußere Ehrett lvaren für ihn wertlos, wenn es das Wohl seines Volkes galt. Er blieb in der geliebten Heimat, 11111 seine zurückgebliebenen unglücklichen Brüder zti trösten. Ans den Trüinmern Jerusalems stimmte er seine Klagelieder an, die unter den: Nameit in die Bibel ausgenommen worden und mit Verständnis gelesen ztt werden verdieiten. Das erste beginnt mit den ergreifenden Worten: ,,Ach, wie liegt sie mm so einsam, die Stadt, die einst so volkreich war! Einer Witwe ist sie gleich geworden! Die .Herrin der Völler, die Fürstitt der Länder ist zinsbar geworden. Schauet nnd sehet, ob eüt Schtnerz gleichet meinem Schmerze! . . . Und noch ans eins tnöchte ich euch, tneine lieben Kinder, bei dieser Gelegenheit ansmerksant machen. Alle Völker pflegen wohl ihre Siege zn feiern,aber ihrer Niederlagen gedenken sie nicht durch festliche Veranstaltungen. Nttr die Israeliten feiern den Tag, an welchen: sie ihre staatliche Selbst stättdigkeit eingebüßt haben. Weshalb? Erstens soll die Erinnerung an die früheren Sintden mtd deren Folget: sie in Zukunft bessert:; dann aber sollet: sie durch diese Feier at: die ttitnnter ettdettde Gnade Gottes erinnert werdet:, der feit: Volk „nitnmer vergesset: nt:d verstoßet: wird."