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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 13-14 (1898) · p. Seite 201

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
13-14 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 201 (sequence 11)
Language
German
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201 Diamant- und Türkisensternchen, je nach der Größe und Farbe des Tieres. Man könnte wohl glauben, daß es eine Grausamkeit war, die Ohren für diese Schmucksachen zu durchlöchern: allein die Wissenschaft hat in ihren raschen Fortschritten auch dafür ein Ausknnftsmittel gefunden. Die Tiere wurden vor der Operation leicht betäubt, und wenn sie wieder erwachten und aus dem Wasserspiegel des Bächleins, dessen klare Wellen durch die kleine Kolonie riefelten, die Strahlen der Edelsteine zurückgeworfen sahen, gerieten sie in das größte Erstminen und Entzücken. Trotzdem gab es eine Art von Schmuck, die die Fürstin nie zuließ. Manche Hunde, die sie zum Geschenk erhielt, trugen bei ihrer Ankunft goldene und silberne Halsbänder mit sonderbaren Sinnsprüchen und Versen. Diese wurden sofort in das Raritätenkabinet befördert, da die wohlwollende alte Dame den Anblick eines solchen Abzeichens der Sklaverei nicht ertragen konnte und außerdem die armen Tiere durch so einer: Metallreifei: nicht wundreiben und quälen lassen wollte. So stürzte die buntscheckige Gesellschaft jeden Morgen ohne Halsband, Kette oder Leine aus ihren Häuschen hervor und begab sich auf den Spaziergang unter der Obhut einer Schar fröhlicher Mädchen aus den: Schwarzwald. Sie genossen das freie Nmherschweifen in vollen Zügen und brachten dam: einen kräftigen Appetit zun: Mittagessen zurück. Bei ungünstigen: Wetter blieben die H:n:d zuhause, machten ihre Sprünge in der Reitschule, gefolgt von gegenseitigen Neckereien und Gebelle. Bei dieser Gelegenheit kan: dann die Gräfin öfter herein, un: zuzusehen und zuzuhören. Sie war nicht mehr jung, und da sie sich stets weiter gebildet hatte. — so wie ja jeder während seines ganzen Lebens an seiner Bildung arbeiten soll — hatte sie sich ein un:fangreiches Wissen erworben. So verstand sie auch die Sprache ihrer Lieblinge und nahm freudigen Anteil an allen:, was sie sagten. Eines Nachmittags, während es in Strömen regnete, belauschte sie so ein lebhaftes Gespräch auf dem Spielplatz. Den Gegenstand der Erörterungen bildete die „Vornehmheit", und jeder wollte es besser wissen, welcher H:n:deart die Krone wahren Adels zuzusprechen sei. Nicht alle Hunde waren geborene Redner. Manche hatten dieses Talent nicht ausgebildet, andere waren von Natur zu schüchtern und verlegen, und einige konnten es ans übergroßer Bescheidenheit nicht über sich gewinnen, von sich und ihrem Geschlechte zu reden und die eigenen Verdienste zu Preisen. Darum wurden auf allgemeinen Beschluß die verschiedenen Pinscher, die mit ihrer: scharsei:, lebhaften Augen das Aussehen weiser Männer haben sollen, gewählt, um für die einzelnen in Betracht kommenden Bewerber zu sprechen. Der erste dieser Advokaten vertrat die Sache der Jagdhunde. Er beschrieb, wie wohlerzogen und gelehrig sie seien, wie sie von frühster Jugend an in allen männlichen Künsten sich übten, gewöhnlich in dem Hanse des Thorhüters — einer fre:n:dlichen, von Rosen oder Geisblatt umrankten Wohnung

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