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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 12 (1898) · p. Seite 189

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
12 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 189 (sequence 15)
Language
German
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eingehegte Umfriedigung, innerhalb welcher das Opfer gegefsen wird, in der Wiilje ein langer, nicht sehr tiefer Graben, worin Feuer brennt und darüber ein mit Wasser gefüllter Kessel', hier ist der Platz, wo das Schlachten der Lämmer vor sich geht. Etwas höher hinaus befindet sich eine zweite acht bis zehn Fuß tiefe, runde Grube, ebenfalls mit Holzfeuer gefüllt, worin die Fleischteile, nachdem sie gehörig gereinigt und vorbereitet sind, gebraten werden sollen. Der Hohepriester, als das anerkannte Oberhaupt der Gemeinde, ist in einen grünen Mantel gekleidet, der durch einen reich verzierten Gürtel zusammen gehalten wird, mit einem türkischen Orden dekoriert und macht einen vorzüglichen (£iubnttf; sein Gesicht nach Westen gewandt, um — die Zeit mit Singen ansfüllend — den Sonnenuntergang abzuwarten. Alle Männer sind in weiße, durch lose hängende leinene Träger gehaltene Mäntel gekleidet, mit Tunica, Gürtel und Turban. Bei allen jedoch fiub die eben erwähnten Kleidnngsstiicke mir über darunter befindliche gezogen, wegen der rauhen und kalten Witterung. Die sieben Lämmer — prächtige Tiere von reiner Syrischer Raee — eines für jede Familie, warteten inzwischen der Dillge, die da kommen sollten. Der Gottesdienst begann mit einem immer lebhafter werdenden Gesang und fortwährendem Niederwerfen, ltub nachdem der Höhepunkt erreicht, laufen sämtliche Anwesende — mit Ausnahme des Hohenpriesters — der erwähnten tieferen Grube zu, die Lämmer werden zusammengeholt und jedes von einem Schächter gehalten, da bei ihnen das eigentliche Schlachten vou geübten Leuten zu geschehen pflegt. Ein älterer Mann, eine Art Aufseher, ging fortwährend um den Platz, indem er gleichzeitig von dem Hohen- Priester Befehle errtgegennahm oder solche erwartete. Der bis dahin bedeckt gewesene Himmel klärte sich in: Augenblicke des Sormerruntergangs auf, die Sonne kam noch einen Augenblick zum Lorschein und zauberte am östlichen Horizonte einen prachtvollen Regenbogen hervor. In dieserrr Mornent — ein Zeichen des Hohenpriesters — ein Blitzen von sieben haarscharf geschliffenen Messern — und der Schlachtakt war vorüber. Damit hatte die Aufregung ihren Höhepunkt erreicht: alles runarmte und begrüßte sich mit dem Friedenskuß — ein bekannter orientalischer Brauch — und auch dem Hohepriester küßte man die Hände, sodann beeilte man sich die Lärnmer anfzrchängen und ihnen das Fell abzuziehen, zu welchem Zwecke man aus den Kesseln heißes Wasser herbeiholte; man schnitt die Wolle von den Häuten, entfernte die Eingeweide und schnitt die dem Hohenpriester gehörenden rechten Schulterstücke ab. Run werden die Tiere mit den Hinterfüßen nach oben auf einen langen Spieß gesteckt, und unter dem Kops wurde ein Querholz befestigt, so daß es einem auf den: Kopfe stehenden Kreuz ähnlich sah und jeder Teil, selbst —

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