Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 12 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9620171-9622086-9622320--1109-9622334- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
188 Diese und eine Reihe weiterer Änderungen des hebräischen Bibeltextes lassen es begreiflich erscheinen, daß, so sehr die griechischen Hilden sich mit dieser Übersetzung freuten, die Juden in Palästina sich ärgerten und den Tag, an dem diese Übersetzung fertig wurde, als einen Unglückstag bezeich neten. Es entstanden deshalb auch andere griechische Übersetzungen. Übrigens steht es fest, daß das Christentum sich nicht so schnell unter den Heiden hätte verbreiten können, wenn die Bibel nicht schon lange vorher durch diese Übersetzung bekannt geworden wäre. Während nun die LXX später besonders von den Christen benutzt wurde, galt den palästinensischen Juden eine andere griechische Übersetzung fiir maßgebend. Sie entstand 400 Jahre später, war durchaus wortgetreu und wurde daher von den jüdischen gesetzestrenen Gelehrten bevorzugt. Sie rührte her von einem Schriftgelehrten, namens Agnila (griechisch: Al^las, aramäisch: Onkelos), der zur Zeit des römischen .Kaisers Hadrian (117—IH8» lebte. Er stammte ans der Landschaft Pontus in Kleinasien, ans der blühenden Handelsstadt Sinope, die bekanntlich auch die Vaterstadt des sonderbaren Philosophen Diogenes war. Er trat zuerst zum Christentnin über, dann aber zum Judentum, führte trotz seines ererbten Reichtums ein einfaches, strenges Leben lind stand in Beziehungen zu den angesehensten jüdischen Gelehrten seiner Zeit, (namentlich zu Rabbi Akiba», in deren Aufträge er auch die genannte Übersetzung verfaßte. Eine dritte griechische Übersetzung ist die des Theodotion inms Jahr 160), eines Jude gewordenen Heiden aus Ephesus (an der Westküste von Kleinasien). Seine Übersetzung ist mehr eine Bearbeitung der Septuaginta; wo diese Zusätze hat, die in der hebräischen Bibel nicht enthalten sind, pflegt er sie stehen zu lassen; wo sie aber ausgelassen hat, da ergänzt er gewöhnlich. Die Tier- und Pflanzennamen läßt er unübersetzt. Noch eine andere griechische Übersetzung gab es, die des Symmachus, eines Samaritaners und Schülers von Rabbi Me'lr, gegen Ende des 2. Jahrhunderts. Diese drei Übersetzungen haben denn bei den griechischen Inden,, namentlich seit der Zerstörung des Tempels, die Septuaginta verdrängt. Alle-drei halten sich sorgfältig an den hebräischen Bibeltext, am sorgfältigsten Aquila; keiner von ihnen hat die sogenannten Apokryphen ausgenommen. Doch sind von allen dreien nur noch Bruchstücke vorhauden; vollständig erhalten ist keiner. Pehach öei den Samaritanern. Der Gottesdienst nimmt ungefähr eine halbe Stunde vor Sonnemmtergang seinen Anfattg. Auf einem Hügel befindet sich eine kleine, durch Steine