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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 12 (1898) · p. Seite 190

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
12 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 190 (sequence 16)
Language
German
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190 wie es schien —- auch die Wolle vorsichtig mit Salz bestreut. Hierauf brachte man Lichter herbei, und die Tiere wurden genau darauf untersucht, ob alles vorschriftsmäßig ausgeführt sei. Bei einem Lamm war der Schächtschnitt nicht in korrekter Weise ausgeführt; es wurde daher ein anderes Tier herbei geschafft und mit diesem in derselben Weise verfahren. Gegen neun Uhr nachts war alles zum Braten bereit. Es war ein zauberischer Anblick, als alle die weiß gekleideten Gestalteil in Hellem Monden« schein um die offene Grube standen, aus der die Hellen Flammen empor loderten; die am nächsten stehenden sieben Männer drehten unter fort währendem durch kurze Pausen unterbrochenen wilden Gesänge ihre Spieße in dem feurigen Schlunde. Endlich wurde ein schweres Gitterwerk über die Öffnung gelegt und Rasen und Erde darauf geworfen, bis die Glut gedämpft war, so daß nur noch die Enden der Spieße aus dem so geschlossenen Ofen hervorragten. Eine nun folgende Pause von mehr als zwei Stunden luurbe ausge füllt durch eine lebhafte aber ungeordnete Unterhaltung über religiöse Angelegenheiten zwischen dem Hohenpriester und den übrigen Anwesenden in des ersteren Zelt. Allem Anscheine nach glauben auch die Samaritaner an den Messias und hoffen auf seine Ankunft, jedoch nur, um von ihm eine völlige Wiederherstellung der von Moses gegebenen Gesetze 'in ihrer vollen Ursprünglichkeit zu erwarten. Das Peßachopfer wird von ihnen in der Hauptsache als eiu rituelles Gedächtnisfest gefeiert; während der Opferzeremonie wurden einige der Lagerzelte mit Blut gezeichnet, ob alle, konnte der Be schauer nicht wahrnehmen, eben so wenig ob an jeder Seite und ob Übel- Eingängen. Sie sind sehr vorsichtig, daß kein Knochen zerbrochen wird nnb erklären das Wegnehmen des Schultenslückes als nur „fortgeschafft". Während die einen sich an der Unterhaltung beteiligten, beschäftigten sich die anderen mit Verbrennen der Eingeweide und der dem Priester gehörenden Stücke, alle diese Verrichtungen mit Gesang begleitend. Der letzte Akt der Zeremonie begann etwas nach elf Uhr, nachdem sich die ganze Gesellschaft wieder um den Ofen versammelt hatte, Nach einem Gebete wurde das Gitter eiltsernt und die gerösteten Fleischstücke herausge hoben. Vieles war berkohlt, ein Spieß verbrannt und ein Mann daher in die Grube hinuntergelassen, um die Teile zusainmen zu suchen; schnell wurde dann das Fleisch in bereit gestellten Körben verpackt und zmn Festplatz ge tragen. Rach einem langen lauten Dankgebet machte sich jede der verschiedenen Gruppen über ihr Lamm her, indem sie das Fleisch mit den Fingern von den Knochen abstreiften und solches mit bittern Kräutern unb ungesäuertem Brote verzehrten. Wein wurde nicht dazu getrunken, weil bei den im zweiten Buche Moses befindlichen Passavorschristen hiervon nichts erwähnt ist.

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