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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 12 (1898) · p. Seite 187

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
12 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 187 (sequence 13)
Language
German
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187 wurden, wohnten zahlreiche Juden; von den si'mf Stadtteilen der ägyptischen Hauptstadt Alexandrien waren zwei von Juden bewohnt. So ist es ganz natürlich, daß sich viele Juden, namentlich die in Ägypten, die Kenntnis der griechischen Sprache aneigneten, die Werke der griechischen Schriftsteller lasen lmd selbst griechische Schriften verfaßten, von denen wir manche noch heute haben. Da sie bald nicht mehr hebräisch verstanden, sprachen sie sogar ihre Gebete griechisch. Man übersetzte nicht nur die ans der Thora vorgelesenen Abschnitte in die Landessprache, sondern ließ bald die ganze Bibel ins Griechische übersetzen. Am bekanntesten ist die allmählich entstandene griechische Uebersetznng der 70 Gelehrten, gewöhnlich die Septuaginta (LXX) genannt. Sie ist wohl unter der Regierung des Königs Ptolemäus I (323—285) entstanden. Die Übersetzung ist aber nicht blos zrnn Gottesdienst und zur Erbauung der griechisch sprecheitden Juderr, sondern ganz besonders auch für die Heiden berechnet. Diese sollten durch diese Uebersetzung nicht nur mit den heiligen Schriften der Juden bekannt werden, sondern auch daraus ersehen, warum sich die Juden in Religion und Leben so vielfach von den Nichtjuden unterschieden. Die Septuaginta ist deshalb keine durchaus wortgetreue Übersetzung, sondern giebt oft den Griechen znliebe Änderungen und Umdeutungen; es ist manches, was in der hebräischen Bibel steht, geradezu weggelassen, anderes dagegen wieder hinzrrgefügt worden, weil inan fiirchtete, die Griechen könnten es falsch auffassen oder darüber spotteil, oder auch es übelnehmen. So steht z. B. im 1. B. Mos. 2,2: Wajechal elohim bajaum haschwii melachtau ascher osso, wajischbaus bajaum haschwii, zu deutsch: „Und Gott hatte am siebenten Tage sein Werk volleildet und rilhte am siebenten Tage." Dmnit nun keiner meinen sollte, Gott sei erst am siebenten Tage fertig geworden, übersetzten die LXX: „Und es vollendete Gott am sechsten Tage sein Werk und ruhte am siebenten Tage." Im 3. B. Mos. 11,6 wird unter den Tieren, deren Fleisch die Israeliten nicht essen sollen, auch der Hase genannt. Der Hase heißt auf griechisch lagos. Aber auch der Vater des Ptolemäus, des Königs von Aegypten, hatte Lagos geheißen. Damit nun der König beim Lesen der Übersetzung nicht den Namen seines Vaters unter den unreinen Tieren findeil und sich unangenehm berührt oder gar beleidigt fühlen sollte, setzte man für Hase den „Kleinfüßigen". Da man ferner das boshafte Märchen verbreitet hatte, die Juden verehrtell in ihrem Tempel einen Eselskopf, so war der Übersetzer bei dem Worte chamor (Esel) sehr vorsichtig. Wenn daher z. B. bei der von Korach und seiner Rotte gegen Moses imd Aron angestifteten Empörung Moses fast zornig ausruft: „Auch nicht einen Esel habe ich voil ihnen erhoben (als Abgabe) unb niemand von, ihnen etwas zuleide gethan," so giebt die LXX statt chamor (Esel) chemed (Kostbares): „nichts Kostbares habe ich' von ihnen erhoben."

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