Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 12 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Mutter ergeben, die kpinen Abend vergehen läßt, ohne daß sie noch einmal die Betten ihrer Lieblinge besucht, mit ihnen betet und ihnen den Gutenachtkuß giebt. Welche Freude, wenn die älteren Prinzen einmal länger als sonst aufbleiben dürfen, um noch bei ihrer Mutter zn fein. Sie ruhten einmal nicht länger mit Bitten, als bis ihnen — es war Ball im berliner Königs schlosse — gestattet wurde, statt der Pagen die lange, goldgestickte Schleppe des Ballkleides ihrer Mama durch einige Vorsäle tragen zn di'lrfen. Und wie mögen sie davon den andern Geschwistern erzählt haben! Ein ander Mal hatten die drei Ältesten die Kaiserin, die mit ihrem Gemahl eine Reise nach Ostpreußen unternehmen wollte, bestürmt, ihnen doch ja nochmals vor Antritt der Fahrt Lebewohl zu sagen. Die Kaiserin meinte, dann schliefen sie ja längst, aber sie wolle noch einmal in das Zimmer sehen. Als sie dies in vorgerückter Stunde that, guckten vergnügt die Köpfe der drei Prinzen unter der Decke hervor, und abschiednehmend streckten sich ihr die Ärmchen entgegen. „Aber wie geht denn das zu, daß Ihr noch wach seid?" meinte die Kaiserin erstaunt. Und unter übermütigem Lachen erzählten sie ihr, daß sie, um sich.gegen den „Sandmann" zu schützen, ihre Füße untereinander mit einer Leine verbunden hätten: wurde nun einer von ihnen von Müdigkeit übermannt, so zogen die anderen so lange an der Leine, bis der Sandmamr siegreich in die Flucht geschlagen war. Ein reizeitdes Wort, die innige Verehrung für die milde und gütige Mutter ausdrückend, stammt vom Prinzen Eitel Friedrich. Als im Religionsunterricht gelegentlich eine Stelle vorkam, „daß wir Menschen allzumal Sünder wären", da blickte der Prinz erst nachdenklich vor sich hin. dann rief er überzeugt aus: „Nein, nein, das ist falsch, das kann nicht stimnrelt, denn unsere Mama ist keine Sünderin!" Und ein zweites Wort stammt von demselben Prinzein Als er einst eine schwierige Rechenarbeit machen mußte, wurde er mit derselben schneller, als erwartet, fertig und erwiderte auf die Frage des Lehrers, wie das so rasch gegangen sei, vergnügt: „Ja, wie ich so da saß, da hat mir der liebe Gott einen Kniff gezeigt, und da ging es plötzlich ganz leicht."- Diöelübersehungen. von Dr. B. K11 ttiter in Frankfurt a. ITT. [II. Griechische Übersetzungen. Es ist schon im 1. Abschnitt gelegentlich erwähnt wordett, daß die Volkssprache der Juden in Palästina auch griechische Wörter enthielt. Kein Wunder; hatte sich doch seit Alexander dem Großen, der den Juden wohlwollend gewesen war, das Griechentum unter den Juden ausgebreitet mrd viele Freunde gefunden; in Syrien und Ägypten, die von griechischen Fürsten beherrscht