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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 12 (1898) · p. Seite 185

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
12 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 185 (sequence 11)
Language
German
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185 Papa haben denn auch die Prinzen einen gehörigen Respekt; davon erzählt am besten ein artiges (tzeschichtchen, welches sich gelegentlich der Fubelfeic' mit 18. Januar, der Wiederanfrichtnng des deittschen Kaiserreiches ereignete. (Yanz Berlin prangte im Fahnenschmuck, und auch die jungen Prinzen hatten die Erlaubnis erhalten, aus den Fenstern ihrer nach dem SchloßhoF' zu gelegenen Zimmer kleine Fahnen heranszustecken. Dabei passierte es dem Kronprinzen, dag seine Fahne hinaus und dem langjährigen Kaminerdiene des Kaisers auf den Kopf siel. „Na warten Sie nur, Prinz Wilhelin," drohte jener scherzhaft hinauf, „das werde ich Papa sagen!" Der Kronprinz bekam da einen gehörigen Schreck, er suchte aus seinen Spielsachen schne'l ein hübsches Segelboot heraus und übergab es einem Diener mit den Worten: „Ach bitte, bringen Sie es doch schnell dem D. hinttnter, er soll es seinem Fungen mitnehmen, aber er möchte doch auch ja nichts Papa'n sagen!" Papa versteht in derlei Dingen keinen Scherz. Als einst vor mehreren Jahren der Kronprinz seine erste Uniform erhalten hatte, wollte attch sein nächster Bruder, Prinz Eitel Friedrich, eine solche haben, und er ließ während des Frühstücks nicht mit Bitten nach, denen er endlich den Trumpf hinzufügte: „Aber ich will solche llniform haben!" Sofort wurde er vom Kaiser in „Arrest" geschickt, ttnd zwar in Ermangelung eines geeigneten „Arrestlokals" unter den Tisch. Nach einiger Zeit wurde ihm befohlen, wieder hervorznkoinmen; und bis auf das Hemdchen entkleidet, kroch der blondlockige Prinz unter der Tischdecke hervor, auf die erstaunte Frage, was er denn gemacht, iveinerlich erwidernd: „Wenn ich keine Uniform bekoinme, will ich auch keine Kleider mehr tragen!" Aber das „will" wurde ihm bald ausgetrieben. Der Kaiser gedenkt stets seiner Kinder, wenn er nicht in ihrer Nähe weilen kann. Als er einst bei einem Offizierspreisschießen in Spandau einen Thaler gewann, barg er ihn vergnügt lächelnd in der Tasche: „Da kaufe ich meinen Fungens was dafür, das wird sie freuen!" und oft steckt er oder die Kaiserin bei Festlichkeiten einige Stücke Konfekt, Marzipatt oder Schokolade ein: „Das ist für die Kleinen zu Haufe, Mitgebrachtes schmeckt ja doch immer am besten, und namentlich unser Naschkätzchen, die kleine Viktoria, ist arg danach." Und besser als eingehende Beschreibungen schildert ein Wort des Kaisers das trauliche Familienleben: Als er einst in Begleitung eines seiner fürstlichen Verwandten eine große indttstriell-gewerbliche Ausstellung besuchte, machte ihn jener auf eine kostbare Toilette mit dem Beinerken anfinerksam, daß dieselbe so recht für die Kaiserin geeignet wäre. „Dieses Kleid für die Kaiserin?" meinte lächelnd abwehrend der Kaiser, „Na, da kennst Du meine Fungens nicht, die hätten die Schleppe bald kaput gentacht, denn drei oder vier baumeln doch immer am Rock meiner Frau." Mit zärtlicher Liebe und Hingebung sind die Kinder ihrer kaiserlichen.

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