Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 12 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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182 „Da wird man freilich nicht dick und fett dabei," bemerkte Somit und setzte seinen Rundgang fort. Noch dreimal ging und kam der Anecht mit gefülltem Sacke; als er aber den vierten Sack brachte, sank er unter seiner Bürde zusammen Er jammerte über Schmerzen an seinem kranken Beine, die so groß seien, daß er nicht mehr von der Stelle zu gehen vermöge. Er bat um die Erlaubnis, sich in irgend einem Raum aufhalten zu dürfen, um nach seinem kranken Beine sehen und sich einige Stunden erholen zu können. Er wurde nach einer der leichtgebauten Hütten getragen, welche die Bediensteten der Festung innehatten. Hier wohnte ein Mann mit Namen Levi. Er gehörte zu den Leuten, die den Nachtdienst iu der Festung zu verrichten hatten; denn neben den Söldnern, den eigentlichen Verteidigern der Festung, waren Leute dazu bestimmt, auch das Innere der Festung für die Nachtzeit zu überwachen. Wahrend Levi die Aufgabe des nächtlichen Wachtdienstes hatte, oblagen seiner Frau die wirtschaftlichen Pflichten, z. B. das Füttern des Viehes, das Melken der Aühe, die Bereitung von Butter und Aase und alle übrigen zum Haushalt gehörenden Arbeiten. Dieses zufriedene und glückliche j?aar besaß ein Töchterchen, das — wie sein Name Noemi besagt — lieblich in Aussehen und Wesen, der Stolz und die Freude der Eltern und der Liebling seiner Umgebung war. Aber nicht Schönheit und Anmut allein hatten dem Mädchen jedermanns Zuneigung verschafft, sondern in weit höherem Maße seine Alugheit und Bescheidenheit, die es in Sprache und Benehmen an den Tag legte. Die Aönigin hatte dieses reizende Aind einst vom Fenster aus bemerkt und so viel Gefallen an ihm gefunden, daß sie sich seinen Besuch erbat. Sie gewann Noemi so lieb, daß diese täglich ihren Besuch wiederholen mußte. Die Zuneigung der Aönigin zu dem Ainde beglückte die Eltern in hohem Grade, und Mutter Leah ließ es sich auch nicht nehmen, sich der Aönigin aufmerksam zu zeigen, indem sie ihr bei jedem Besuch durch Noemi ein kleines Sträußchen duftender Blumen überreichen ließ. Die Aönigin fand viele Freude an dieser kleinen Liebesgabe. Eines Tages brachte Noemi wie sonst immer ein solches Sträußchen mit, das jedoch nicht so eigen und fest gewunden war, wie es sonst zu sein pflegte. Obgleich der Aönigin dieses auffiel, schien sie es einstweilen doch nicht weiter zu beachten, sondern legte das Sträußchen auf einen neben ihr stehenden Tisch und unterhielt sich mit Noemi. Als das Mädchen sich entfernt hatte, nahm Alexandra, die Mutter der Aönigin, die Blumen zur Hand und versuchte, dem Sträußchen eine größere Festigkeit zu geben. Da gewahrte sie plötzlich zwischen den