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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 12 (1898) · p. Seite 180

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
12 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 180 (sequence 6)
Language
German
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180 glückliche Fürstin war hier von aller Welt abgeschlossen. Bur ihrer Wutter hatte man gestattet, sich in ihrer Nähe aufzuhalten. Den beiden Frauen fehlte es in Einsicht der Bequemlichkeit in Aleran dreion an nichts; immerhin waren sie doch Gefangene. Der scharfe Blick ihres Wächters folgte ihnen auf Schritt und Tritt. Da sie auf den Berkehr mit ihm allein angewiesen waren, konnte man sie oft in längerer Untere Haltung mit ihm finden. <£s schien, als ob der sonst so rauhe wann nicht ohne witgefühl für die Königin war, und er versuchte es zuweilen, ihr ihre tage weniger traurig erscheinen zu lassen, als sie in Wirklichkeit war. Er schilderte ihr die grenzenlose tiebe des Königs für sie, und in seiner Gesprächigkeit verriet er der Königin den unheilvollen Auftrag, den er für den Fall erhalten, daß d.r König nicht von Rhodus zurückkehren sollte. Entsetzen und Abscheu erfüllte die Seele der edlen Königin; doch ihre wutter Alexandra suchte sie zu trösten, indem sie sprach: „Er wird zurückkehren und Soöm wird nicht in die tage kommen, den grausamen Auftrag ausführen zu müssen. Du kennst ja die Klugheit und tist deines Gatten, seine Kunst, mit der er sich aus der bedenklichsten tage zu retten wußte, Du weißt, wie er das Wort zu legen und zu drehen versteht, um aus dem klarsten Recht das Unrecht und aus dein allerschlimmsten Bergehen ein verdienstvolles Werk herauszudeuteln vermag." ,wag sein, wutter," erwiderte die tiefbetrübte Königin, „er hat durch diesen wordbefehl noch den letzten Funken von Zuneigung zu ihm in mir zuin Verlöschen gebracht. Er liebt nur sich selbst. Es hat für ihn nur alles das wert, was seine wacht vermehrt und seinem Stolze schmeichelt, wer ihm dabei in den weg tritt, wird erbarmungslos vernichtet, wie, war es etwa anders mit Aristobul, der durch ihn unterging?" „wühle, ach, meine Tochter, nicht in dieser Wunde, die noch in voller Frische in meinem Kerzen klafft; sprich nicht von Aristobul, mit dessen Tode iinr ein Stück eigenen Lebens genommen worden ist," sprach die unglückliche wutter, ihre Augen trocknend. Sie wollte ihre Rede fortsetzen, da trat Soöm ein, in der Hand einen offenen Brief haltend. Er sah ernst und verstimmt aus. „hört," wandte er sich an die Königin in einem Tone, in welchem wenig von der Achtung lag, die er seiner Herrin und Königin schuldig war. — „hört, was mir Salome, die Schwester des Königs schreibt; diesen Brief habe ich eben von ihr erhalten." „Leset uns den Znhalt vor" — sagte die Königin gleichgiltig. Er las: „habet acht auf die Eurer Überwachung anvertrauten Personen, besonders auf die Königin. Es hat sich ein Kreis von Berfchwörern gebildet, der es sich zur Aufgabe gemacht, die Königin zu befreien, wie

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