Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 11 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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1-3 Er war mm schon sechzehn Jahre alt und fing an, einen Bart zu bekonnnen. Da wanderte er eines Tages, wie er das häufig that, mit der Botanisiertronunel auf dem Rücken in den Wald, um seltene Blumen und Käfer zil sanuneln. Er fand immer ganz besonders schöne Sachen, denn er war ja so klein und konnte darum alles unten auf der Erde viel besser sehen als die großen Leute, die die Nase so hoch tragen. Aber seine kleinen Beinchen wurden sehr bald müde. Da kletterte er auf einen niedrigen Bamnzweig und setzte sich, um ein bischen zil ruhen. Die grünen Blatter nmgabell ihn voll allen Seiten, so daß er wie in einer Stube mit grünen Wänden saß. Dicht lleben ihnl befand sich ein Nest mit jungen Vögelll, die nach Flitter schreiend ihre gelbeil Schnäbel weit aufsperrten. Als er sich neugierig vorbeugte, um die kleüien Schreihälse besser zli sehen, sprailg seine Botanisiertrommel auf, lind heraus kroch eine schneeweiße Schnecke, die er vorher gestuldell hatte. Als er das inerkte, griff er nach ihr, aber sie eiitschlüpfte ihm, lind verwandelte sich in ein wunderschönes Mädchen. Das sagte zu ihm: „Meine Königin hat inich her geschickt, lim dich zil holen: gieb mir die Hand, damit wir zu ihr eilen köuneu. Und dann flog sie mit ihm fort, über Lällder und Städte lind über das Meer, bis sie zu einer einsamen Insel kaineil. „Dort unten", sagte das Mädchen, „ist das schönste Schloß meiner Königin. Die ist so gut uud schöu lvie sonst niemand auf der Welt, und heißt die Natur." Und dailii stand Häilschen mittell in dem Schlosse der Natur. Die Wände wareil aus grünen Schlingpflanzen inld bnftenben weißen, roten und gelbell Blumen, zwischen denen bullte Käfer mid Schmetterlinge hiil llild her flogell. Das Dach Bilbeten Baumkronen, und der Teppich bestand aus weichem Moose. Auf einem Moospolster ruhte die Königin. Sie war sehr groß und so schön, daß es Hänscheil ganz wohl lins Herz wurde, als er ihr in die Augen sah. „Giitell Tag, Hüiischell!" sagte sie und reichte ihm freundlich die Hand. „Ich habe dich holeil lassen, weil die Menschen immer sagen, ich hätte dich stiefmütterlich behandelt. Dll bist freilich ein bischen sehr klein, aber ich bin lücht schuld daran, daß du nicht gewachsen bist. Ich kann nnch allch lücht unl alles bekümmern. Ich hatte m den letzten Jahrerl gar so viel zu thun, um alle nötigen Gaben für einen großen Dichter herbei zu schaffeli, deml einen solchen braucht die Welt grade. Der sollte ein rechtes Wurlderwerk werderl. Das war eine Arbeit! Ich bill rroch gmrz müde davon. Aber jetzt will ich dich entschädigerl für das, ivas an dir versälnnt lvlirde. Du sollst Einlaß haben in die fernsten Teile meines Reiches, in die geheimsten Gemächer meines Schlosses, die vor dir noch kein Mensch betrat, und sollst mit klaren Augen sehen, was