Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 11 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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172 über Religions- und Rechtsfragen die Rabbiner ihres Vertrauens. Man schätzte um das Jahr 1860 ihre Sekte auf 3000 Seelen. Die Derrrrmss zerfallen wieder in zwei Sekten, die Konjo und die Kovajero; diese verabscheuen einander in solchen: Grade, daß namentlich kein Kovajero mit einem Konjo in demselben Hause wohnen oder an demselben Tische essen wurde. Die Kovajeros sind meist Kaufleute und Schristgelehrte; fast alle öffentlichen Schreiber und Bureaubeamten von Salonik gehören zu dieser Sekte. Sie bewohnen ein eigenes Stadtviertel bei der Porta Nuova. Die Konjo sind arme Handwerker und Lastträger und leben in den höheren östlichen Stadtvierteln zerstreut. Der Stifter der Deuirms-Sekte ist ein gelehrter Rabbiner namens Sabetai Sevi, der um das Jahr 1667 in Adrianopel als Prediger einer neuen jüdischen Lehre auftrat, hieraus nach Danmskus übersiedelte. Als er schon in verschiedenen großen Städten des osmanischen Reiches als angeblicher Messias einen großen Anhang gewonnen hatte, wurde er verhaftet, nach Koustarrtirropel geführt und vom Großvezier über sein Messiastum befragt. Um sein Leben zu retten, trat Sabetai Sevi zum Islam über,*) und bald darnach wurden auch fast alle seine Anhänger äußerlich Muhammedaner. Mit der Zeit kehrten jedoch viele zum Judentum zurück und begaben sich unter falschem Namen nach Palästina, um dort Buße zu thuu. Der letzte Rest von Sabetais Anhänger sind die erwähnten Konjo von Salonik. Zwölf Jahre nach Sabetais Auftreten erhob sich einer seiner Schüler, namens Barzelai, predigte urit geringen Änderungen dieselbe Lehre wie jener und gewann ebenfalls viele Anhänger, die jedoch schließlich zum Scheine ebenfalls zmn Islam übergetreteu sind. Die Anhänger Barzelais bilden die Sbkte der Kovajeros. Sie haben ein rings von hohen Mauern umgebenes, streng verschlossenes Versanunlungshaus, welches im Jahre 1865 der Gouverneur von Salonik unter eurem Vorwände durchsuchen ließ. Man fand darin rrur eine alte Frau, welche erklärte, hier als Pförtnerin bestellt zu sein. Irr dem großerr rirrgs vorr Divans mngebenerr Saale hing ein uraltes persisches Schwert; irr einenr rrnterirdischen Rarmre fand rrrarr eure Geißel; sonst war alles leer. Hänschen, der Zwerg. Ein Märchen von!t)alli Glück. letzten Hause des Städtchens, dicht am Walde, wohnte eine Witwe mit ihrem einzigen Sohne, der Hans hieß. Aber die Lerrte nannten ihn immer: „Hänschen, der Zwerg", denn er war sehr kleirr urrd konnte gar nicht wachsen, so sehr er sich auch streckte. Gleich anr ersten Tage hatte ihn die Amme aus den Windeln verloren, weil er gar so kleirr war. *) Das wird von einigen Geschichtsforschern bestritten.