Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 11 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Der größte Teil des Weges zeigte jedoch nur kahle Felsblöcke und klaffende Riffe des Gesteins, die mitunter so groß waren, daß sie mehreren Menschen Raum gewährten. In einem solchen Riß finden wir vier wohlbewaffnete kräftige junge Männer, unter ihnen Ukwo und Ismael. Sie hatten erfahren, daß Salome, die Schwester des Königs, heute nach ihrem Landhause in Saron sich begebe und beschlossen, diese Gelegenheit zur Ausführung ihres Vorhabens zu benutzen. Im Gebüsche verborgen stand ein Maultier, das dazu bestimmt war, die Entführte in die Hütte jDapos zu bringen. Die vier Jünglinge warteten bereits mehrere Stunden des entscheidenden Augenblicks. Endlich vernahmen sie aus der Ferne das Geräusch eines herannahenden Wagens. Bald tauchte ein königlicher Wagen aus der Bodensenkung auf, in dessen Innern Salome saß, neben ihr eine Sklavin und hinter ihr ein Diener zur Begleitung. Jetzt war das Gefährt den Verborgenen nahe gekommen. Ihre Waffen mit fester Hand fassend, sprangen sie aus ihrem Versteck hervor. Ismael siel den Pferden in die Zügel, und Ukwo öffnete den Wagen. Er forderte Salome auf, denselben zu verlassen und ihm eine Unterredung zu gewähren. „Welche Frechheit!" rief die Angeredete aus; „ist es bereits soweit in Judäa gekommen, daß man die Landstraße nicht mehr mit Sicherheit passieren kann, daß man sogar die Schwester des Königs anzugreifen wagt!" Sie war eine stattliche, nicht unschöne Frau, aber hinter den Zügen des Stolzes und unweiblichen Trotzes verschwand jede Spur von Schönheit und weiblicher Anmut. „Zurück, Verwegener!" rief sie mit starker Stimme — „und Du, Daniel," wandte sie sich an den Diener — „zeige doch diesen Wegelagerern, daß man sich nicht ungestraft an der Schwester des Königs vergreift!" Der Angeredete versuchte vereint mit dem Kutscher von den Waffen Gebrauch zu machen. Beide waren indes im nächsten Augenblicke schon von den Gefährten Ukwos übermannt und widerstandsunfähig gemacht, während Ukwo selbst mit unveränderter Gelassenheit, ja sogar Höflichkeit seine Bitte, Salome möge aussteigen, wiederholte. „Was habt ihr mit mir vor, und was wollt ihr von mir?" rief sie endlich nachgebend, und nachdem sie sich überzeugt, daß jeder Widerstand vergebens sei: „Wollt ihr Gold, wollt ihr Silber? ich führe dergleichen wenig mit mir, so daß euer Raubversuch kaum lohnen dürste."