Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 11 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Bist du reich, hast du Geist und Talente, genießest du Ruhm und hohes Ansehen? Warum so stelz und hochmütig? Stolz ist die Wurzel alles Übels, sagt die Bibel. Das Glück verdankst bit Gott; wie leicht aber kam: es von dir weichen! Dn wirst krank, Siechturn verleidet dir den Genuß deines Besitzes; Verlust an Geld und Grrt trifft dich; irgend ein Unfall verstümmelt dich. Was darur? Verzweiflmrg kommt über dich, urrd jetzt trifft dich erst die schwerste Strafe deines Lebens; Jene Menschenkinder, die du verachtet hast, kommen zu dir, lasserr dich ihre selbstlose Güte rmd Höflichkeit fühlen rrnd lehrerr dich Demut im Herzen tragen. Wer diese weife Hüterin des Herzens nicht besitzt, dem fehlt mich die rechte Art der Höflichkeit mrd Güte. Nrrr der Demütige ist nicht wählerisch in den Personen, denen er sich hüls reich erweisen kann. Er unterscheidet erst nicht lange zwischen Reichtum und Armut, hoch und niedrig, alt und jung, Bildung und Unbildung, er ist gilt und freundlich und aufmerksam gegen alle. Ja, er lvird auch feinen: Feinde mit Liebe und Achtung begegnen und jede Gefälligkeit, die er ihm erweisen kann, als eine Wohlthat empfinden. Wer zu solcher Gesiuuullg sich durchgerungen hat, der hat das Gebot der Nächstenliebe in seinem edelsten und schönsten Sinn erfüllt, dem der Spruchdichter die einfachen Worte leiht: Ist den: Feind hungrig, gieb ihn: Brot zu esse::, dürstet er, gieb ihn: Wasser zu trinken." Mariamne. Geschichtliche Erzählung aus dem letzten Jahrhundert vor der gewöhnlichen Zeitrechnung. Von Moritz Scherbel. (Fortsetzung.) Zuvörderst galt es, den Aufenthaltsort der Aönigin zu ermitteln. Allein die umfassendsten Nachforschungen, die Wochen, ja Monate lang dauerten und mit vielem Eifer betrieben wurden, blieben ohne jeden Erfolg. Ukwo war der festen Überzeugung, daß Zipora Batyra jedenfalls um den Aufenthaltsort der Aönigin wisse, allein ihre Verschlossenheit und Alugheit würden jeden Versuch, ihr das Geheimnis durch irgend eine (ist zu entlocken, scheitern lassen. Wiederum sitzt die jugendliche Schar im Zedernhaine, ernsten Rat pflegend. „Außer Zipora," ließ sich Ismael, der Sohn Zizchaks vernehmen, „kann und wird sicher auch Salome, die Schwester des Aönigs, wissen, wo sich die Aönigin befindet. Giebt sie ja doch zu allem, was Merodes thut, die Raffchläge, und nur aus ihren unseligen Einflüsterungen sind alle seine bösen Handlungen hervorgegangen."