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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 10 (1898) · p. Seite 157

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
10 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 157 (sequence 15)
Language
German
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157 Armen ja nichts geschehe, was gegen die Schonung wäre, die Leidenden doppelt wohlthut. Dem Wunsche Noomis folgend, begab sich Ruth zu Boas und sprach: „Ich bin Ruth, deine Magd, nimm mich doch in deinen Schutz, denn du bist ja mein Erblöser." Nach israelitischem Rechte war nämlich der nächste Verwandte des verstorbenen Mannes verpflichtet, die Witwe zu heiraten. Das Verlangen Ruths entspricht wohl seiner eigenen Neigung: denn wen wird es wohl wnndernehmen, daß zwei so edle Menschen einander zu besitzen münfdjeu V Und darum antwortet er ihr: „Sei gesegnet, meine Tochter! Fürchte dich nicht, ich will gerne thun, was du verlangst: die ganze ganze Stadt weiß, wie tugendhaft du bist!" Allein, in seiner strengen Gerechtigkeitsliebe und Gewissenhaftigkeit will er erst einen noch nähern Verwandten der Ruth fragen, ob e r sie zum Weibe nehmen möchte. Dieser fürchtet aber, seine eigene Familie könne darunter leiden, und räumt dem Boas in Gegenwart von Zeugen das Recht des Erblösers ein. Erst jetzt, nachdem ihm das Recht zuerkannt worden, wird Ruth feine Frau. Nach alledem, lvas wir an Boas kennen und schätzen gelernt haben, können wir dem Zeugnis des Geschichtsschreibers „Boas war ein edler und rechtschaffener Manwß mis ganzem Herzen zustimmen. Was Großvälerchen seinen Enkeln erznljlt. a?dj/ Groszväterchen, bitte, bitte eine Geschichte!" Damit drängte sich, * wie gewöhnlich, beim Allbruch der Dämmerstunde die fröhliche Enkelschar unl den freundlicheli Greis, der, in seinem Lehnstuhl am Ofen sitzend, stets bereitwillig ben drängenden Bitten nachgab. „So kommt, Kinder! heute will ich Euch etlvas aus lneinem Leben erzählen. Setzt Euch her zu mir." „Eine wahre Geschichte! heute eine wahre Geschichte!" jubelten seine kleinen Zuhörer, und es entstand sofort eine große Stille. Der Großvater sing lächelnd an: „Wenn Ihr heute meine weißen Haare, wein ruilzliges Gesicht und meine welken Hände seht, so kömit Ihr Euch gelviß schwer vorstellen, daß ich auch eillst ein frischer, munterer Knabe war, der nichts lieber that, als lustig in Wald und Feld umherzilspringen. Leider waren jedoch unsere Verhältnisse der Art, daß lnir ineine Mutter dies Vergnügen nur selten gestatten komlte. Lag doch mein Vater schon längst in der kühlen Erde, und es lvurde lneiner Mutter immer schwerer, den Lebensunterhalt für uns

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