Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 10 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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dS 156 — den Tod entrissen wurde: doch diese Prüfung war eine kurze, denn er folgte ihr schon elf Tage später, also am 8. Januar 1867, in den Tod nach. Das Werk aber, das er geschaffen hat, wird fortleben zu seinem steten Ruhme. Nach „Verl. Lok.-Anz." Boas. Lin Lebensbild. Dem <£. Flanier. eigentlich des Wochenfestes im Jahre 1895 habe ich meinen lieben Lesern an dieser stelle ein kurzes Lebensbild der Ruth ander Hand des gleichnamigen Buches, dao in jedem Jahre am Schabuothfeste gelesen wird, vorgesührt. Da Ihr — wie ich gern hoffe — das Buch Ruth auch in diesem Jahre lesen, und zwar mit Aufmerksamkeit lesen werdet, will ich Euch in der richtigen Auffassung imb rechten Würdigung einer der Hauptpersonen dieser herrlichen Familiengeschichte, nämlich „Boas", behilflich sein. Wie wir aus der Geschichte wissen, ist es eine Wgnng der göttlichen Vorsehung, daß Ruth gerade ans den Acker des Boas gerät, alo sie für ihre Schwiegermutter Noomi und sich Ähren lesen will. Boas in timt ist Kraft) kommt auf das Ield, sieht die junge Aehrenleserin mtd sagt zu. dem obersten Schnitter: „Gott segne Euch! — Wer ist jenes Mädchen dort?" Die Schititter erwidern detr Gruß: ,,Gott segtte dich!" Und ans der Antwort auf seine ^rage erfährt er, daß es die Moabitin Ruth, die Schwiegertochter Roomis ist. Er weiß nun, daß er ihr Verwandter ist, sagt aber nichts davon, sondern wendet sich an sie mit den Worten: „Meine Tochter, gehe ans keinen andern Acker: halte dich zu meinen Schttittern: wo sie schiteiden, folge ihnen ttach, und wenn dich dürstet, trinke aus den Krügen meiner Leute. Ich habe alles erfahren, was Du nach dem Tode deittes Mannes an deitter Schwiegermutter gethatt hast. Gott vergelte Dir dein Thun!^*) Uttd seinen Schnittern befahl er ttoch besonders: „Lasset oft absichtlich Aehren liegen und beschämet Ruth tticht." Was sollett wir an Boas mehr bewundern, den freundlichen Arbeitgeber, den zärtlichen Verwandten oder den Menschenfreund überhaupt? Habt ihr, liebe Leser, gemerkt, wie Boas seine Arbeiter behandelt? Von ihtn haben sie jedenfalls gelernt, gütig und freundlich gegett Arme sein, wie er selbst seine Herzensfreude daran hat, in Ruth das Werk echter Menschlichkeit zu loben mtd zu belohnen. Ohne es Ruth merken zu lassen, erweist er ihr Gutes, also im stillen, und bis ins kleinste ist er bedacht, daß der ') Der lvortlaut ist aus S. Müllers: Litt Buch für unsere Kinder.