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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 10 (1898) · p. Seite 158

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
10 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 158 (sequence 16)
Language
German
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15$ beide zu schaffen, Als ich zwölf Jahre alt geworden, sollte ich daher auf irgend eine Weise etwas verdienen helfen. Bereitwillig nahm daher meine Mutter das Anerbieten unseres Nachbars, eines reichen Bäckers an, der mich zu beschäftigen versprach. Nach und vor den Schulstunden stellte ich ich mich bei ihm ein und erhielt jedesmal einen großen Korb Brote und allerhand Backwaren, nebst Mehl und andern schönen Dingen, die ich den Kunden in die Häuser bringen mußte. Daffir erwarb ich einen kleinen Wochenlohn, der für unsere ärmlichen Verhältnisse viel wert war. Aber wie schwer wurde mir oft die Erfüllung dieses meines ersten Amtes. Während meine Altersgenossen sich fröhlich bei allerhand Spielen vergnügten, mußte ich Haus für Haus mit meinem schweren Korbe auf dem Kopf wandern. Eines schönen Wintertages, ich erinnere nach desselben, als wäre es gestern gewesen, näherte ich mich, meine Last tragend, der Eisbahn, von welcher mir schon von fernher der. Jubel meiner Genossen entgegenschallte. Ich mußte bei ihnen vorüber. „Ach, Karl, lieber Karl, komm doch nur ein Weilchen zu uns, sieh doch, welch herrliche Bahn!" ,,Ja sehe doch Deinen Korb ein ivenig nieder!" ries eine andere Stimme, „mir ein einzig Mal laß Dich ans diesem Schlitten fahren! hei wie lustig das geht!" Gar zu verlockend klang diese Aufforderung an mein Ohr. Aber ich widerstand. „Nein," entgegnete ich entschlossen, „auch nicht einen Augenblick bleibe ich hier! Ich mutz weiter, laßt mich!" Und zögernd schlug ich von neuem meine Richtung ein. Ich mochte wohl sehnsüchtig ans meine Kameraden geblickt haben; denn wieder und wieder riefen mich ihre Stimmen zurück, erst bittend, dann selbst spottend. „Und, lvas könnte es Dir denn schaden, wenn Du Dich ein lvenig mit uns vergnügtest? Du läufst dann um so geschwinder. Aber, da seht mir nur den Burschen an, zu stolz ist er geworden, um mit uns Schlitten zu fahren!" Das war zu viel für mein jugendliches Herz. Ohne mich auch nur einen Augenblick zu besinnen, auch nur daran zu denken, was ich that, ergriff ich die Hand des nächsten Knaben und eilte in echter Kindeslust und Wiudesschnelle mit ihm die Bahn entlang. Das war eine Seligkeit! Aber nur einen kurzen Moment. Denn natürlich fiel der Korb mit Backwerk von meinem Haupte, und Brote, Semmeln und allerhand feine Ware rollte nnanfhaltsam nach allen Richtmigen hin. Wie vom Blitz getroffen hielt ich inne. Ein Schrei der Knaben weckte mich ans meiner Betäubung. Nur allzu klar sah ich, was ich angerichtet hatte. Wohl halfen mir die Genossen, selbst erschrocken, den Schaden wieder gilt zu machen. Die meisten Brote konnten wir auch uod) retten; doch alles andere Backwerk lag teils zerbrochen oder beschmutzt am Wege, selbst im Schnee! Kleinlaut kehrte ich zu meilier Mutter zurück und berichtete ihr unter Thränerl meine Pflichtvergessenheit. Die stumme Trauer der Guten uub die Worte: „Nun

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