Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 10 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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gjj| — 155 — n&er die Drnckkosten aus eigenen Mitteln nicht bestreiten konnte, so wandte er sich mit seiner Schrift und der Bitte um Unterstützung an das Ministerium, das ihm nach Prüfung seines Werks die ©imune von 282 Thalern vorstreckte. ^111 November 1841 erschien das erste gedruckte Buch Stolzes in der Nicolatschen Bnchliandlnng zu Berlin unter dem Titel: „Theoretisch-praktisches Lehrbuch der deutschen Stenographie für höhere Schulen und zum Selbstunterricht/' Noch ehe das Buch erschien, hatte Stolze mit stenographischem Privatunterricht begonnen. seinen ersten Schillern gehörte eine Anzahl Offiziere des großen Generalstabes, darunter der spätere Kriegsminister von Noon, sowie die Generale von Boigt-Retz und Vogel von Falkenstein. Allein der ^ufprud) war sonst so gering, dag Stolze mit Rücksicht auf seine Familie einen Posamentierladen anfmachen muhte: in seinen Freistunden aber arbeitete Stolze rastlos an seinem Spstem. Seine Arbeit war bald von Erfolg gekrönt: denn das Fahr 1845 brachte den erfreulichen Beweis, daß sich sein System auch zu großen praktischen Aufgaben, wie der parlamentarische Dienst sie erfordert, eigne. Fm Fahre 1847 hatte die junge Kunst die stärkste Feuerprobe zu bestehen: Sie ward berufen, im Dienste des Vaterlandes unter den Angen der Oeffentlichkeit sich zu bethätigen durch die Aufnahme der Verhandlungen in dem von Friedrich Wilhelm IV. znsammenbernfenen „Vereinigten Landtage". Am 11. April 1-847 wurde der „Vereinigte Landtag" eröffnet, und mit frischem Mut gingen die acht Stolzeaner an ihre Arbeit in den prunkvollen . Festränmen des alten Königsschlosses. Aber die Berichte der ersten Schlingen waren nicht ganz vollständig, so daß mancherlei Klagen und Beschwerden laut wurden. Die Folge davon war, daß der damalige Minister v. Bodelschwingh erklärte, Wilhelm Stolze und drei seiner Kollegen seien wegen ungenügender Leistungen entlassen worden. Von allen Schicksalsschlägen, die den edlen Meister betroffen haben, war dieser wohl einer der härtesten. Doch schon im April des folgenden Fahres wurden, als der Landtag abermals znsammentrat. Stolze und seine Kollegen wieder einberufen. Als Fagnet, ein Freund und Schiller Stolzes, etwas später die Leitung des parlamentarischen Stenographenbnreaus niederlegte, trat Stolze an seine Stelle und hat dieses Amt 16 Fahre hindurch mit Treue und Gewissenhaftigkeit verwaltet. Fast schon am Rande des Grabes erlebte der Meister noch eine besondere Freude durch die große, einmütige und erhebende Feier des 25 jährigen Fnbilänms seiner Kurzschrift, die am 20. Mai 1866 seine ganze Schule beging. Dieses war aber auch der letzte belebende Sonnenblick in seinem Leben gewesen: von da ab ging es mit seiner Kraft schnell abwärts/ Noch eine letzte schwere Priifung blieb ihm Vorbehalten, indem ihm am 26. Dezember desselben Jahres seine treue Lebensgefährtin Auguste durch"