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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 10 (1898) · p. Seite 151

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
10 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 151 (sequence 9)
Language
German
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151 für dessen unzeitigen Besuch. Seine Lippen schienen sich zu bewegen, aber kein Wort drang aus denselben hervor. Dagegen erhob sich Zsmael, der älteste Sohn des Dauses, und seine stattliche Gestalt emporreckend, sprach er: „Das kann freilich nur geschehen, wenn ein Volk alles, alles über sich ergehen läßt, ohne von seiner Kraft zur Verteidigung seiner Rechte Gebrauch zu machen." „Verteidigung bei der erdrückenden wacht, die dem Könige von Seite des wohlberechnenden Rom zu Gebote steht? Denn ob Pompejus oder Täsar, ob Antonius oder Octavian — alle streben sie danach, Judäa als gute Beute zu erfassen, ganz gleich, in welcher Gestalt sie sich dabei zeigen," erwiderte Zizchak, der Vater Ismaels in edlem Zorn. Zn dieser Beziehung befand er sich im Gegensatz zu seinem Bruder, der für staatliche Angelegenheiten durchaus kein Interesse hatte. Zizchak empfand den schweren Druck, der gegenwärtig auf dem Lande lastete, bis tief in das Herz hinein und würde zur Beseitigung desselben den letzten Blutstropfen hergegeben haben. Allein er rechnete mit den Verhältnissen und betrachtete es als ebenso erfolglos wie tollkühn, jetzt dem Könige entgegenzutreten, wie wenig würdig derselbe auch des Thrones sei. „Klein Vater," bemerkte llkwo, „ist stets geneigt, so oft ich über die Klänge! der Regierung spreche, diese in Schutz zu nehmen und zu verteidigen. Siehe," - sprach er neulich gelegentlich einer Unterhaltung hierüber zu mir — „Siehe dir Jerusalem an, was es unter der Herrschaft des Merodes geworden ist: die Straßen, du erkennst sie kaum wieder; Kunstbauten, die zu bewundern sind, das Theater, das Gymnasium und die neuen Bäder, sie tragen den Ruhm unseres Landes nach allen Weltgegenden hin, — und dieses alles haben wir Herodes zu verdanken." „Damit möchte er gern seine Schandthaten bedecken," sagte Ismael heftig — „das ist der Köder, den er dem Volke hinwirft." — „Das rechte wirken des Königs zeigt sich" — bemerkte Iizchak — „darin, daß — wie der pfalmift sagt, in seinen Tagen der Gerechte blüht. — Und was gedenkest du zu thun, Ukwo?" „Ich möchte dich vor allem bitten, mir unverzüglich einen Boten zu verschaffen, den ich an meine Eltern schicken kann, um ihnen Kunde von meinem jetzigen Aufenthalt zu geben, ferner würdest du, Ismael, nach meinem Wunsche handeln, wenn du unsere Freunde heut nachmittag an den: bekannten Orte oben im Zedernwalde versammelst, damit wir uns gemeinschaftlich beraten, welche Schritte zu unternehmen sind, willst du das thun?" „Ganz gewiß!" erklärte Zsmael bereitwillig. Und so geschah es auch. An einer durch dichtes Gesträuch geschützten Stelle des Zedernwaldes saß in den Nachmittagsstunden eine kleine Schar

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