Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 10 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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149 häßliche Handlungsweise im zweiten Kapitel unserer Erzählung geschildert wurde, erstatteten der Behörde Anzeige, aber wahrlich nicht, um dem rechtmäßigen Eigentümer zur Wiedererlangung der Kapsel zu verhelfen, sondern vielmehr aus Bache. Als Zosua bei seiner Heimkehr aus dem Lehrhause vernahm, was vorgefallen war, erschrak er nicht wenig. Er kannte die Rücksichtslosigkeit der Behörde, zumal wenn ihr Einschreiten durch Römer veranlaßt wurde. Größer aber als die Furcht vor der Behörde war seine borge um Ukwo, die sich in Kummer verwandelte, als seine Nachforschungen nach ihm erfolglos blieben. „was ist mit Ukwo geschehen, und was wird sich wohl noch ereignen, wenn die Wänner des Gerichts wiederkommen und weder ihn noch die Kapsel vorfinden sollten?" fragte sich Ehama in schwerer Bekümmernis. Zosua nahm innigen Anteil an dem Jammer der Eltern. Wan hoffte indes immer noch, Ukwo werde vor dem Anbruch der Nacht heimkehren. Allein Stunde auf Stunde verging, und die fast verzweifelnden Eltern warteten vergeblich auf ihren Sohn. Es ist etwa Witternacht. Aus einer mit dichtem Gestrüpp umwachsenen Felshöhle nicht weit von der Stadt tritt ein Jüngling heraus, sich nach allen Seiten scheu umsehend. Ukwo ist es. Es ist sein fester Entschluß, nicht eher in das elterliche Haus zurückzukehren, als bis er die Kapsel der Eigentümerin zurückgegeben weiß. Denn sein Glaube an die Wirkung der in ihr liegenden Schutzschrift ist unerschütterlich, und so lange die Königin nicht in deren Besitz ist, sei ihr Leben von Gefahren bedroht, wit diesem Glauben, oder richtiger Aberglauben, stand Ukwo nicht vereinzelt da. Dergleichen vermeintlichen Schutzmitteln vertrauten selbst viele Gebildete jener Zeit, war ja doch jene Schutzschrift in der Kapsel auf Wunsch der durch umfassende Bildung ausgezeichneten Königin angefertigt worden. Noch im achtzehnten Jahrhundert war bei einem großen Teil der Juden sogar in Deutschland die' Ansicht verbreitet, daß man durch sogenannte Amulette sich schützen könne vor Unglück und Verderben. Es ist deshalb kaum zu verwundern, daß dieser lebhafte Jüngling in seiner begeisterten Verehrung für die Königin und in seiner bangen Sorge um ihr heil jener Schutzschrift eine schützende und helfende Kraft beimaß. Und eben deshalb wollte er die Kapsel nicht in andere Hände gelangen lassen, was er durch die Flucht zu verhüten hoffte. Eine Felsenhöhle bot ihm ein günstiges versteck. Aber kaum hatte er diese erreicht, da kam es ihm zum erschreckenden Bewußtsein, welche Gefahren seine Flucht dem elterlichen Hause bringen könnte. Viele Stunden, während welcher er seine Pläne