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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 9 (1898) · p. Seite 141

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
9 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 141 (sequence 15)
Language
German
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141 „Ich mutz etwas ganz Besonderes gewesen sein, etwas ganz Besonderes," sagte er>zu dem Ankömmling. „Nicht nur, daß ich mich überall als jDcßach, als ^est der Befreiung nennen hörte und in den ersten Stunden meines Gebens herrliches sah, was Du sicher nicht erleben wirst, hörte ich noch, als ich kaum geboren war, aus dem Wunde von willionen wie in besonderer Erwartung die Worte: „heute ist der erste Tag im Omer." Das leitet gewiß zu etwas Großem, Besonderem hin, das sagt mir eine untrügliche Ahnung." Raum hatte er dies gesprochen, so war er auch schon verschwunden. Der Ankömmling fühlte nun, daß er nun seine Herrschaft unumschränkt angetreten hatte. Dein Aalender nach hieß der neue Tag der {7. Nissan, und wie freudig stolz fühlte er sich, als er vernahm, wie man nüt Segensspruch die Worte sptach: „heute sind zwei Tage im Omer." wie hatte sein Vorgänger ihm gesagt? — „Das muß zu etwas Besonderem hinleiten, das fa^t mir eine Ahnung." Ja, auch ihm sagte eine innere Stinnne, daß dein so sein nrüsse. Und auch er gab die Kunde weiter dein Tage, der ihm folgte, und an dem es hieß: „heute sinds drei Tage im Omer." So ging es neunundvierzig Tage lang; dabei wurden sie nochnials in Gruppen geteilt, und iniiiier, wenn sieben Tage herum waren, nannte inan sie eine Woche. Jeder einzelne Tag fühlte erst seinen wert, wenn er dem Ganzen a ^geschlossen war; wie die Glieder einer Aette griffen sie ineinander, jedes Glied ein selbständiges Ganzes bildend, und doch erst vollwertig und seineil Lebenszweck begreifend im Anschluß an das Ganze. Also neunundvierzig Tage, das sind sieben Wochen, waren gezählt, und nun kaiil ihnen die Kunde von ihrem Zwecke, feierlich hielt der 50. Tag seinen Einzug unb hörte sich als Schabuoth, als Tag der Gesetzgebung nennen. Irisches waldesgrün wurde zu seinem Empfange hercingebracht, würzig duftete es im Gotteshause, wo er sich zuerst begrüßeil hörte. Guirlaildeil und Blunlen hiilg lllan auf uild holte sich den Frühling herein von draußeil, wo er mit wacht erblüht war. Ja, zu einem Frühlingsfeste hatteil die neuiluildvierzig Tage hingeleitet, ein geistiger Frühling feierte heute seinen Geburtstag, der Frühling, der mit der Thora einst a,il Sinai für Israel erblüht war. j?eßach, das Befreiungsfest hatte einst die leibliche Befreiuilg aus Druck und Knechtschaft gebracht. Aber wie ein Gefangener, der, obwohl seiiler Fessel ledig, deinioch im Dunkel leben muß, nur halb frei ist, so war Israel seiner leiblichen Fesseln los, aber geistig war es noch im Dunkel, hatte es 6cu Höhepunkt feiner Befreiung noch nicht erreicht. Und da kaiu das Licht voin Sinai, die heilige Thora aus Gottesnlund und Gotteshand, uild Heller, lichter Frühling brach an für Israel n Frühling, der nie welkeil wird, der ewig, ewig neu uild jung ist.

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