Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 9 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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140 IVohl eine Viertelstunde ist so vergangen; da tritt eine junge Bauersfrau mit einem Korbe voll Himbeeren am Arme auf die IValdblöße. Zhr erster Blick fällt auf das Kind; als sie es ruhig schlafen und den Hund unfeiner Seite sieht, atmet sie erleichtert auf. IValdl bellt nicht, während die Fran näher kommt, obwohl dies sonst seine Gewohnheit ist; er wedelt nur freudig mit dem Schweife; er kennt die Frau; sie ist arm und muß sich ihr Brot durch Beerenlesen und h^ilzesuchen verdienen. Sie nimmt das schlafende Kleine sanft vom Boden auf, streichelt den braven IValdl und lobt ihn, daß er ihr Kind so gut behütet hat. Die Frau tritt nun mit den: Kinde auf dem Arme den Aückweg an, und IValdl läuft mit ihr. Als sie aus dem IValde heraus zu des Försters Hause kommen, ist dort schon alles auf und in voller Thätigkeit; soeben tritt der Förster in die Thür und pfeift seinen: Hunde, den er noch schlafend in seiner Hütte wähnt; er inacht daher ein sehr erstauntes Gesicht, wie er ihn an der Seite der Bäuerin herankommen sieht. IValdl zieht den Schweif etwas ein; er weiß, daß er Strafe verdient; denn fein Herr erlaubt ihm nicht, allein fortzulaufen. Als die Frau dem Förster erzählt, wie er ihr Kind bewacht hat, da wird sein Gesicht sehr freundlich, und IValdl kommt mit einem bloßen Verweise davon. Die Frau Försterin aber, welche auch hinzugekommen ist und alles gehört hat, giebt der Frau einen Caib Brot und einen Topf Acilch, und dem Kinde schenkt sie einen schönen, roten Apfel. Die arme Bäuerin aber hat den IValdl von diesem Tage an sehr gern gehabt, und wie ihr kleines INädchen größer und verständiger geworden ist, hat sie ihm erzählt, wie es der brave IValdl einmal so schön behütet hat, und von da an war er der Liebling der Kleinen. IValdl unterninnnt noch immer heimliche Blorgenspaziergänge; wenn er auch manchmal dafür gestraft wird, sie sind gar zu schön I!Ver weiß, vielleich schlüpft er gerade jetzt durch den alten Bretterzaun in die taufeuchte IViese hinaus. Aus: „Herzblättchens Zeitvertreib." „Omer"-Kunde. Gin schöner Vorfrühlingstag ging zur Veige. IVie ein jedes Leben war auch das seine aus Licht und Dunkel gewebt und in der Dännnerftunde, gerade vierundzwanzig Stunden nachdem er geboren wurde, rüstete er sich zum Abschiednehmen, machte er sich bereit, seine Herrschaft an einen neuen Tag abzutreten. Zn der Dänrmerung reichen beide, der Gehende und der Komnrende, sich die Hände und flüstern mit einander, und wer genau hinhorcht, der hört da, wie der scheidende Tag seine ganzen Erlebnisse erzählt.