Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 8 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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123 er nicht Recht? Denn wenn der Winter geht, kommt ja der Frühling, „bringt uns Blumen, Laub und wieder!" Dann „läutet Maiglöckchen in dein Thal" und Veilchen, Vergißmeinnicht wachen auf. Auch „alle Vögel find schon da: Amsel, Drossel, -Fink und Star." Dann rufts „Kuckuk, Kuckuck aus dem Wald" und die „Nachtigall singt wieder so schön vor allen Vögelein." So besingt hoffmann den Frühling. In anderen Gedichten preist er die Heimat, unser liebes Vaterland. „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!" so sang er aus vollein Herzen von jener flehten deutschen Insel in der Nordsee, von Helgoland, zu seiner Heimat hinüber, wo heute dem Dichter ein Denkmal erbaut ist. Alle diese schönen Frühlings- und Vaterlandslieder, die wir int Lesebuch sandelt, verdanken wir Hossmann von Fallersleben. Tr heißt eigentlich August Heinrich hoffmanu. Vor sOO Jahren wurde er in Fallersleben, einem Dorfe in der Provinz Hannover, geboren. Nach dein Heimatorte nannte er sich Heinrich hosfntann voit (d. h. aus) Fallersleben. Tr besuchte das Gymnasium zu Braunschweig und wurde später Professor in Breslau. Nach längerer Zeit inußte er voti hier fort utid führte nun jahrelang ein unstetes waitderleben, wie im Mittelalter die Sänger, bis er im Schlosse zu Torvey an der Weser bei hanteln, wo er vont Herzog von Ratibor als Bibliothekar angestellt war, ain 19-Januar starb. Seine zahlreichen Gedichte zeichnen sich durch deii volkstüiitlichen Ton aus Uitd dadurch, daß sie sich leicht siiigeit lasset!, wenn wir ein hoffiitann'sches Gedicht lesen, datnt ist es uns, als hörten wir auch eine passende Melodie dazu; denn er hat seine Gedichte entweder bekannten Sangesweisen angepaßt, oder die Tondichter konnten leicht eine Melodie dazu ersinden. Überall kotnmt des Dichters unwandelbare vaterländische Ttnpfinduitg und Gesinnung zunt Ausdruck. And obgleich er wegen feiner freien politischen Grundsätze bestraft wurde und ins Ausland gehen ntußte, blieb seine Liebe und Anhänglichkeit zum Vaterlande ungentindert. Dafür sind seine vielen Lieder und folgender Vorgang ein deutlicher Beweis: Der Dichter Franz Dingelstedt erzählt in seinem Gedichte „die Flüchtlinge" folgendes: „In einer Pariser Vorstadtkneipe sitzen politische Flüchtlinge aus aller Herren Länder beisamnten und erzählen sich einander ihre traurigen Schicksale und die Schmach ihrer Völker. Tin blonder und schüchterner deutscher Jüngling muß eingestehen, daß er einmal ein Freies Wort" gesprochen habe und dafür von Haus und Hof fortgejagt wordett sei. Nun bricht wie eine Flut der hohn der andern aus ihn herein, und sie springen aus und simten ihnt an, auf das Land, das ihn verraten habe, Teter zu rufen. Komm, Deutscher, nimm dein Glas zur Uand Und thue, was wir thaten; Ruf' Leter auf dein Vaterland, Das Land, das dich verraten.