Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 8 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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121 „VOas sehe ich?" sprach er erstaunt, „dieses Schriftstück flammt aus dem königlichen Hause oder ist für dasselbe bestimmt." „So scheint es, Rabbi." „Und wieWist Du zu diesen Gegenstände gelangt?" „Die Kapsel, worin sich der Pergamenistreifen befindet, wurde von Eurem Simon und unserem Iosua auf der Landstraße gefunden, an der Stelle, wo ein Pfad sich abzweigt, der zur Klause des Rabbi Jose führt." „Zur Klause des Rabbi Jose .. . “ erwiderte Rabbi hillel nachdenklich. Dann folgte sein Auge prüfend den Zeilen unter der Krone, und nach einiger Zeit sagte er: „Es ist eine Schutzschrift, — sie soll ihr Trägerin vor Unglück bewahren. Ich kann ebensowenig das Anfertigen wie den Gebrauch derselben gutheißen, sie schwächen das Vertrauen auf Gott und den Glauben an ihn; wir sollen uns lediglich zu Gott und seinenr Schutze bekemren. Diese Schutzschrift geht sicherlich von Rabbi Jose aus; er gehört zu den Ulännern, die sich viel mit solchen Dingen beschäftigen, deren Absicht und Uleinung wohl gut sein mögen, die aber von ganz falschen Vorstellungen ausgehen." „wer ist also der rechtnräßige Besitzer der Kapsel, Rabbi hillel?" erlaubte sich Ukwo zu fragen. „Kleiner Ansicht nach die Königin. Sie ist, wie der Inhalt ergiebt, für dieselbe bestinunt; daß die Königin ein Verlangen darnach gehabt haben soll, ist mir ganz unbegreiflich." „Doch Rabbi, ich verstehe es wohl." „was meinst Du, Ukwo?" „Die Königin ist von steten Gefahren umgeben, selbst der König, ihr Gatte, will ihr nicht wohl, wie er überall gefürchtet und weniger geliebt wird." „Ukwo, nicht in dieser Sprache von dem König!" Der junge Ulann schwieg einige Augenblicke, dann begann er wieder in bescheidenem Tone: „wir sollen den König lieben und ehren — wie aber, wenn seine Handlungen nicht derart sind?" „Ulan schreibt dem Könige manches zu, was durchaus der Wahrheit entbehrt und als bösartige Verleumdung zu betrachten ist." „Doch aber sein haß gegen die hasmonäer, für welche ich und tausend andere mit mir, mit dem Leben eintreten möchten!" „wenn der König sie gehaßt hätte, so würde er nicht Aristobul zum Hohenpriester eingesetzt haben, der eben doch auch von diesem Stamme ist." „Das mußte er thun, weil es die Verhältnisse so verlangten; aber schon der Umstand, daß Aristobul nicht lange in seinem Amte verblieb, und die Art und weise, wie dieser herrliche, allgemein beliebte wann geendet — wohin deutet dies alles?" „Aristobul ertrank beim Baden, das war sein Schicksal."