Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 8 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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-- 120 Ein kleines Haus in abgelegener Straße nimmt uns auf, und das Zimmer, welches sich vor uns erschließt, hat nur zum Schmucke die Sauberkeit und Ordnung. Die Ulöbel, die wir sehen, sind einfach. Sie bestehen aus einigen Divans, einen: Tische, einer (ade und einem Schrank an der Wand, worin sich eine große Anzahl pergamentrollen befinden. An dieses Zimmer stößt ein kleines Nebenzimmer, worin sich die Familie des Rabbi aufzuhalten und die häuslichen Geschäfte zu verrichten pflegt. Zudem wir nun den zuerst genannten Raum betreten, begegnen wir alsbald der ehrwürdigen Gestalt des Hausvaters. Rabbi hillel sitzt an: Tische, den forschenörn Blick auf ein vor ihm ausgebreitetes Schriftstück unverwandt gerichtet. Rings um ihn her herrscht Ruhe und Stille. Er nrochte damals noch nicht 55 Zahre zählen. Sein Gesicht ist edel geformt, und der Bart sowie das Kopfhaar zeigen bereits einige weiße Silberfäden, die Zeichen des herannahenden Alters. Es ist vor allem eine unbeschreibliche Sanftmut, die auf seinem Gesichte sich ausprägt, und wenn er das Auge aufschlägt, gewahrt man darin jene hrrzensgüte, die allen wohlthut. Zn diesem Augenblicke tritt sein Sohn Simon bei ihnr ein; Rabbi hillel fährt aus seiner Versunkenheit auf. „Thanras Ukwo ist draußen, Vater, darf er hereinkonmmen?" fragte er bescheiden. „Gewiß," erwiderte der Angeredete. „Stört er Dich nicht?" „Nein, mein Sohn!" „Er fürchtet, zur Unzeit zu komnren, da Du vielleicht fortzugehen die Absicht habest oder jemand erwartest, oder daß er Dich gar im Studium unterbreche." „Nichts von alledem; laß ihn nur hereinkommen ins Zimmer, er ist mir willkommen." Simon entfernte sich. Ukwo trat, sich ehrfurchtsvoll verneigend, ein. hillel ging, wie er es bei jeden: Besuch zu Hthun pflegte, ihm entgegen und begrüßte ihn mit den Worten: „Gesegnet sei Dein Eintritt in mein Haus. Was führt Dich so spät zu nur her?" „Es ist die Bitte an den Rabbi um Deutung und Erklärung einer Handschrift. Weinen: Vater und mir ist dieselbe ganz unverständlich. Es ist nötig ihren Znhalt kennen zu lernen, da er zur Ermittelung des Eigentümers dieses wertvollen Gegenstandes vielleicht dienen könnte-" —Ulit diesen Worten reichte Ukwo dem Rabbi die geöffnete Kapsel hin. Dieser nahm das Dargereichte mit einigem Erstaunen zur Hand, betrachtete aufmerksam das Außere der Kapsel, dann erst riKtete er seinen Blick auf den pergamentstreifen, hier fiel ihm zunächst die Krone auf.