Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 8 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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119 Und schon im nächsten Augenblicke befanden sich die Knaben in der Werkstätte Lhamas. Auch dieser und sein Sohn Ukwo waren nicht wenig erstaunt über das Aussehen der eintretenden Knaben; aber ihr Erstaunen verwandelte sich in Bewunderung, als die beiden Freunde in lebhafter, kindlicher weise den Vorgang erzählten. Ein zufriedenes Lächeln umspielte die Lippen Ukwos. „Und nun, Vater, siehe Dir doch einmal das an, was wir gefunden haben," sagte Iosua und reichte ihm die Kapsel hin. wit Kennerblick betrachtete Lhama die Kapsel, und durch einen Druck auf ein kaum bemerkbares Knöpfchen sprang die Kapsel auf. Im Innern des kleinen goldeneu Behältniffes lag ein j?ergamentstreifen, an dessen Spitze eine Känigskrone in Goldfarbe gezeichnet war. Unter der Krone standen einige Zeilen geschrieben, die aber Ehama ganz unverständlich waren, und die Ukwo erst recht nicht zu entziffern vermochte. „Sicherlich eine Schutzschrift von einem frommen Wanne," sprach endlich der Vater." „Und die Krone, was bedeutet sie?" fragte Ukwo. „Wohl nichts anderes, als daß die Schutzschrift für ein Glied des königlichen Dauses bestinnnt ist. wehr darüber besagen wahrscheinlich die darunter geschriebenen Worte. Ukwo meinte: „Diese Schrift wird uns kein anderer erklären als unser Rabbi tftllel. wenn mein Tagewerk vollendet ist, werde ich Dich, lieber Simon, zu Deinem Vater begleiten. Er wird uns gewiß Aufschluß über den Inhalt der Schrift geben und uns so hoffentlich zur Ermittelung des Eigentümers der Kapsel verhelfen. III. Wei McrDbi Kr lieb. Der lernbegierige und eifrige Ukwo war oft i-n lhause des Rabbi anzutreffen. von der Sanftmut und Güte des großen Lehrers fühlte der Iüngling sich mächtig angezogen. Die liebevolle Art des Umganges und die grenzenlose Geduld, die tftllel gegen jedermann und allezeit an den Tag legte, rissen Ukwo zur Bewunderung des großen wannes hin, um so inehr, als jedes Unrecht, von wem es auch begangen sein mochte, den gefühlvollen und heißblütigen Jüngling aufs heftigste erregen konnte, Hier im Hache Mittels hatte Ukwo Gelegenheit zu sehen, wie man jede Beleidigung und Kränkung, und sie sei noch so ungerechtfertigt, verzeihen und vergeben könne. wir folgen jetzt Ukwo zu diesem bewundernswerten Wanne. Es ist kein prächtiges Haus, in welches wir treten, nein, Rabbi Hillel wohnt sehrbescheiden, ja fast armselig, er besaß nicht mehr als das Notwendigste.