Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 8 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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115 Rolle spielt. Ja, man 6arf von ihm sagen, es hat alle Kultur herbeigeführt, was ist „Kultur," und was soll dieser Saß bedeuten? Das will ich euch erklären. Der Ackerbau ist aller Kultur Anfang," lautet ein gewiß vielen von euch bekannter Ausspruch. Als der Alensch Zum ersten Riale hinter dem Pfluge herging und das Feld bestellte, um Brot Zu gewinnen für sich und die deinen, hatte er aufgehört, sich im Zustande völliger Wildheit oder im Ratur- Zustanöe ausschließlich den in reichem Alaße von der Aatur dargebotenen Genüssen hinZugebcn. Er hatte für immer das Paradies verlassen, das göttliche Wort Zn erfüllen: „Jm Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen." So ist er aber ein Kulturmensch geworden, der nach und nach sich Zn einem religiösen und gesitteten Wesen entwickelt hat. Religion und Sittlichkeit sind die beiden Bestandteile der Kultur und haben in der auf Brotgewinnung gerichteten Arbeit ihre WurZeln. Jeder Fortschritt der Kultur brachte eine Vermehrung der menschlichen Bedürfniffe. Der Einzelne begnügte sich nicht mehr mit der einfachsten Kost, sondern war auf eine verfeinerte Ernährung des Körners bedacht; dazu gesellten sich geistige Bedürfnisse. Alan will heutzutage nicht blos gut essen und trinken, sich nicht nur geschmackvoll kleiden, sondern auch Geist und Gemüt bilden und in allerlei „Sport" Zerstreuung suchen, wie weit hat sich das vielbewegte Familienleben der Gegenwart entfernt von der würdevollen Einfachheit int Pause des peröenfürsten Jakob, der seine fromme Bitte um das „tägliche Brot" in die Worte kleidete: Ach, wenn ich in Zukunft für mich und die weinen Brot Zu essen und Kleidung habe, werde ich der glücklichste Alensch auf der Welt sein. —. welche Ausdehnung indes die Ansprüche an das Keben auch nehmen sollten, das Brot wird immer das einfachste, gesündeste und unentbehrlichste Rahrungsmittel bleiben. Es ist und wird stets das Maunah jeder, auch der reifsten Kultur sein. wag auch der Geschmack der Einzelnen noch so verschieden sein, das Brot wird allen schmecken, wie das wannah der wüste' vom dem eine sinnige Legende des Talmuds berichtet: Das Kind fand es süß wie Zucker, der Jüngling hielt es für wirkliches Brot, und der Greis genoß es. als ob es köstlicher ponig wäre. wer wollte auch bezweifeln, daß das wannah erquickte, daß es voller Süßigkeit war; ist es doch himmlichen Ursprungs und im höheren Sinn nichts anderes als die Fülle des göttlichen Segens. Der aber harrt nicht vergeblich der Fülle des himmlichen Brotes, der durch redliche Arbeit und beständige Pflichttreue dafür sorgt, daß das irdische Brot, das „lechem min hoorez", ihm wachse und gedeihe. An ihm wird sich bewahrheiten das Bibelwort: „Siehe, Brot wird regnen vom Pimmel." vr. D. E.