Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 8 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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116 Marimnne. Geschichtliche Erzählung aus dem letzten Jahrhundert vor der gewöhnlichen Zeitrechnung. Von Woritz Scherbel. Fortsetzung.) Simon und Zosua waren in die einfache, aber durchaus saubere Wohnung Rabbi Zoses eingetreten. Dieser war damit beschäftigt, die gesannnelten Aräuter zu ordnen und in verschiedene Häufchen je nach ihrer Ausammengehörigkeit zu bringen. Der Anblick des ehrwürdigen Rabbi machte auf die Anaben einen fast überwältigenden Eindruck und wie gebannt von der majestätischen Erscheinung des Greises blieben sie am Eingänge stehen. Rabbi Zofe mochte wohl sechzig Zahre zählen. Grau war bereits sein Haupt, grau sein Bart, aber seine Haltung war noch fest und aufrecht. Ein schneeweißer Umhang rnnhüllte den kräftigen Aörper. Eine Schürze diente ihm bei der Arbeit zum Schutze vor Staub. Auf seinenr Aopfe saß ein sorgfältig gebundenes Aopfbund (Turban). Als er die beiden Anaben bemerkte, ging er ihnen entgegen und fragte sie in freundlichein Tone nacb ihrem Begehr. Simon überreichte ihm den Brief der Wutter. Rabbi Zose las ihn durch, dann sprach er: „Warte ein wenig, niein Sohn, ich werde Dir das Gewünschte sogleich bringen." — Das geschah bald darauf, und nachdem Simon für das Empfangene im Namen der Wutter gedankt, entfernten sich die Anaben. Genau auf demselben Wege, der sie hierher geführt, wollten sie nun ihrem heim zueilen. Wiederum ergötzten sie sich an dem herrlichen Anblick und dem berauschenden Duft der Blumen in dem wohlgepflegten Gärtchen vor der höhle. Auch denselben Seitenpfad, den sie auf dem Herwege benutzt hatten, gingen sie jetzt und waren eben im Begriff, in die Landstraße einzubiegen. Da fiel der Blick Zosuas auf einen glänzenden Gegenstand im Grase, in dem sich die Sonnenstrahlen glitzernd widerspiegelten. „Ei, siehe doch, was hier liegt!" rief er Simon zu, und er bückte sich, um den Gegenstand aufzuheben. Es war eine länglich runde Aapsel, anscheinend von Gold. Die beiden Anaben betrachteten den Fund mit großer Aufmerksamkeit, ja sie versuchten sogar die Aapsel zu öffnen; allein es gelang ihnen nicht. „Wer dieses Ding hier nur verloren haben mag," sagte Simon. „Zch denke, wir bringen es dem heiligen Alaune, vielleicht gehört es ihm." „Nicht doch," erwiderte Zosua, „der heilige Wann besitz! keine Goldsachen; Du siehst ja, wie einfach er lebt und wohnt. Aber ich meine, wir nehmen diese Aapsel zu meinem Vater mit Er wird sie sicher zu öffnen