Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 7 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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107 noch für eine Nacht Obdach zu gewähren. Gutnu'itigkeit oder auch Dankbarkeit gegen den alten Freund, von dem man das ganze Jahr hindurch so viel Genuß hatte, erwirkten dein Herrn Chomez, denn dieser war der Hausfreund, bei der Frau eine Gnadenfrist. Sie gestattete ihm noch, aber nur wenige stunden zu weilen, riet ihm aber, sich vor dem Hausherrn recht sehr verborgen zu halten, denn er werde genau Haussuchung nach ihm anstellen, und wenn er betroffen würde, so wäre sein Tod aus dem Scheiterhaufen sicher; so habe es ihr Gatte beschlossen. Die gute Frau half dem Chomez verstecke aufsuchen, legte ihm überall Papier unter sein müdes Haupt und ermahnte ihn, sich ruhig zu verhalten und nicht Krumen von sich abzustreifen und umherznstreuen. Diese Nachgiebigkeit war wohl nicht ganz anr Platze. Denn die beiden, Herr Chomez und Frau Mazzo, sind von jeher Todfeinde und für acht Tage unvereinbar, und wenn Frau Mazzo das Regiment im Haufe führt, so sollte der Herr Chomez anstandshalber freiwillig das Feld räumen. So lange hätte sich Herr Chomez auch bequenren können, aus denr Hause sich zu entfernen, nachdem er doch 556 Tage des Wahres Haus- und Gastrecht genossen. Aber er ist ein aufdringlicher Freund, und darum sollte er gar zu bald lernen, was Anstand erfordert und was Ordnung heißt. Der Hausherr nahm, als die Nacht herannahte, Licht, Papier und eine Federpose, leuchtete und suchte alle Ecken und Winkel in allen Zimmern und Räumen des Hauses aus und ab, die Schar seiner Kinder begleitete ihn, wo er eine Spur von der Anwesenheit des Chomez fand, da wurde gar säuberlich aufgeräumt, und was das spähende Auge des Vaters übersah, das entdeckten die Kinder in ihrem Eifer bei dem Suchen nach Thomez. Bald war ein ganzer Pack des Aufdringlichen zusammengebracht und alles durchsucht. Der pack wurde fest verschnürt, dainit kein Glied mehr sich hervorstehlen und entweichen könne. Alsdann wurde er^an diebessicherem Platze auf bewahrt bis zum andern worgen, wo das Strafgericht an dem armen Gefangenen vollzogen werden sollte. hei! war das eine Freude, für die kleine Schar, „heute wird der Chomez verbrannt!" Früher als sonst schlüpften die Zungens aus dem Bettchen; galt es doch, recht viel Brennmaterial für den Scheiterhaufen herbeizuschaffen, um ein ordentliches Feuer zu haben. Da, nach dem worgengottesdienste, sammelte sich die ganze Gemeinde, jung und alt, wann, Greis und Kind auf dem Schulhofe, die meisten mit dem Thomezpackjunter dem Arme, in der Hand die haggadah. Papier, Holz und -Reisig wurde zusanunengelegt und geschichtet, und bald züngelten die Flammen hoch empor. Das war das Zeichen für den Strafvollzug, von allen Seiten stog der Chomez in die Flammen und Herr Chomoz hatte feine Aufdringlichkeit gebüßt, er war feinem Schicksale erlegen. Er verendete auf dein Thomezfeuer. Die Anwesenden sandten ihm noch einen Gruß nach: das „hol ehamiro“ das in der Haggadah gleich auf der ersten Seite fteht. __