Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 7 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9620171-9622086-9622215--1002-9622227- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
106 Untersuchung unterwerfen. — wancher Hausvater wußte des Abends oft nicht, wohin er des Nachts sein müdes Haupt zur Ruhe betten würde; hätte er sich unterfangen, ob solchen U)irwarrs zu murren, so wäre ihm im Falle einer guten Laune seiner Gattin geantwortet worden: „Noch einige Tage Geduld, dann wird alles um so schöner und gemütlicher sein." Wiewohl sich der Gatte in solcher Lage meist zufrieden gab, ein Stachel blieb doch in seinem Herzen, und der Vorsatz nistete sich dort ein: kommt Zeit, konnnt Rat, dann wird dem bösen Störenfried „Eins" aufgebrannt werden. Die einsige Hausfrau löste ihr U)ort ein. Nach wenigen Tagen war alles in der Wohnung fix und fertig und bereit des nun sehnsüchtig erwarteten Frühlingsgastes. Die Thüren und Fenster der Wohnung blinkten und blitzten blank und hell; die Zimmer waren fein säuberlich und geschmackvoll eingerichtet, die wöbel wie neu; die Küchengeräte funkelten, sogar der Feuerhaken war neu lackiert worden; kein Stäubchen in allen Ecken und an allen Enden, denn noch war alles fest verschlossen, und der Schlüssel ruhte in den Händen der jetzt unerbittlichen Hausfrau. Das waren so eigentlich dis schlimmsten Tage. Die schön hergerichteten Räume durften von keinen: der Hausgenosse,i mehr betreten werden, bis der erwartete Gast — Herr Pessach und fein Gefolge Frau Hazzo — den Einzug gehalten haben. Da war der Aufenthalt der Familienangehörigen bei guten: Wetter auf dem Hofe, bei Regentagen in der abseits liegenden Waschküche oder gar in der Holzlage. Endlich war der Vorabend des Tages herangekonnnen, wo Herr Pessach und Frau Mazzo ihren Einzug halten wollten. Da war aber noch mit dem einen Hausgesessenen vollends aufzurärunen. Es war ein alter Hausfreund und zu allen Zeiten, nur nicht zu dieser, ein gerngesehener, ja ein unentbehrlicher Hausgenosse. Es fehlte ihm aber an Lebensart und guter Sitte. — wie die tägliche Erfahrung lehrt, ist das Sprichwort auch ein Wahnwort: „Wan soll gute Freunde nicht überlaufen." Siehst du, und wenn du nn Hause noch so gern gesehen, bekannt und befreundet bist, daß du zu viel wirst oder gar hinderlich scheinst, so gehe auch deinen besten Freunden aus dem Wege, willst du nicht erfahren, wie wenig beständig auf wenschenfreundlichkeit zu bauen ist. Diese Lebenserfahrung fehlte aber unserm Hausfreunde. Anstatt zu gehen, schlich er sich von einen: Winkel in den andern, auf den Boden, in den Ueller, auf den Speicher, ins Schlafgemach, ins Wohnzimmer, in die Aüche, — kurz er war nicht aus dem Hause zu bringen. Die Hausfrau suchte alle Rämne nach ihm aus, und wenn sie glaubte, daß sie hier fertig mit ihm war, so zeigte er sich wieder an anderer Stelle. Er war der Störenfried, welcher solche Unruhe und Unordnung ins Hauswesen brachte; er war es, auf den der Hausherr längst schon ergrimmt war. Wohl merkte er jetzt, daß er durch seine Zudringlichkeit die Liebe und Achtung, die er bis jetzt genossen, in diesem Hause sich verscherzt habe, und um noch bleiben zu könnenwußte er die Hausfrau zu bewegen, ihm nur