Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 7 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Zum Flammentod verurteilt. Etwas lustiges von A. Weiler-Nördlingen. Die lieblich lächelnde wärzsonne, das fröhliche Gezwitscher der gefiederten Sänger verkündeteit, daß des gestrengen Herrn winters wacht für dieses Jahr gebrochen sei. — wenn auch noch danit und wann kalte winde wehten, oder gar aus wiederutti mnwölktent Himmel Schneeflocken durch die Lüfte wirbelten, so merkte man es doch deutlich und sicher, daß die schönste Jahreszeit, der Frühling, den Sieg erringen werde über den aufdringlichen und halsstarrigen frostigen Rumpan, den Winter. Ein warmer Regen hatte den letzten Rest der weißen wittterhülle hinweggefegt, und auf Erdeit fing es an sich zu regen und zu leben. Auch in der wenschenbruft regte sich das frohe Gefühl, mm bald wieder im freien lustwandeln zu können und das Zimmer, den warnten Ofen, die Zuflucht vor Frost und Rälte, meiden zu dürfen. Aut 6cm Erscheinen der Frühlingsboten kain die Runde in alle jüdischen Häuser, daß bald ein lieber, freundlicher Frühlingsgast seinen Einzug in Israels Butte halten werde. Diese Runde war für die jüdische Frau ein Weckruf zuin würdigen Empfatig dieses lieben Gastes, die wohnungsräume santt und sonders ausznbeffern und festlich auszuschmücken. Doch dies ging nicht so rasch von statten, wie es geschrieben oder gar gelesen wird. Ein Schüttelsturm raste durchs Haus und erschütterte die Hausordnung in ihren Grundfesten. Die sonst gute, zärtliche Hausfrau war von einer Aufgeregtheit ergriffen, daß ihr jeder aus dem Wege gehen mußte, wollte er nicht mit irgend einem Gegenstände, der des Ausstäubens bedurfte, verwechselt werden. Wohl berechtigt war der Eifer, mit welchem sie und das Gesinde die „Besen" und „Putzlappen" regierten. Galt es doch, ein großes Stück Arbeit zu bewältigen, eine Arbeit, die mindestens zwei Wochen in Anspruch nahm, um den alten guten Hausfreund, der das ganze Jahr unentbehrlich, für den Empfang des angekündigten Gastes aber mehr als überflüssig war, aus dem Hause zu bringen. Das war ein putzen und Fegen, ein Rlopfen und Stäuben, ein Tapezieren und Lackieren, Anstreichen, Walen; vom Boden, gings in den Reller, vom Salon in die Garderobe, vom Fremdenzinnner in die Rüche, in das wohn-, Schlaf- und Rinderzinnner; kein Rasten blieb an seiner Stelle, keine Rommode ungeöffnet, kein Gegenstand aus feinem Platze, ein Rücken und poltern, als ob Geister und Robolde im Hause ihr Heim genonnnen hätten, kurz es war ein Durcheinander von oben bis unten, als wenn der Feind hier gehaust hätte. Ja selbst die alte und reichhaltige Bibliothek des ehrwürdigen Rabbi wurde von diesem gewaltigen Treiben in allen ihren Teilen aus ihrer Ruhe gestört. Rein großes, dickleibiges und kein noch so kleines Büchlein durfte ruhig im Schranke bleiben; herab mußten sie allesamt und sich einer