Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 7 (1898) · p. Seite 101

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
7 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 101 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9620171-9622086-9622215--0997-9622222
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

101 ließen. Ein lebhaftes Augenpaar, Klugheit verratend, blickte freundlich und milde mnher. U)ar die Königin aber auch glücklich an der Seite des mächtigen, gefürchteten Königs, zufrieden die viel bewunderte und allverehrte Mariamne? Nein, sonst wären ihre Blicke Heller und froher, während sie jetzt ernst, wenn nicht gar traurig auf die jubelnde, jauchzende Volksmenge hinschauten. Kaum war das Volk des herannaheuden königlichen Magens ansichtig geworden, als endloser Jubel die Cuft erfüllte, stürmische Hochrufe vou allen Seiten ertönten und mit dem weiterfahrenden Magen, dessen Insassen nach beiden Zeiten grüßten, sich sortsetzteu; der König stolz und herrisch, die Königin freundlich und herablassend. Der Aufzug war vorüber, und die Menschenmenge begann sich zu zerstreuen. — Unter den Heimkehrenden gewahrte man eine Frau, die einen Knaben von ungefähr 12 Jahren an der Hand führte. Beide schlugen den Meg nach einem von der Hauptstraße abgelegenen Stadtteile ein. „Ach das war herrlich mit anzusehen", begann der Knabe —- „wie danke ich Dir, Mutter, daß Du nieinen Munsch, den königlichen Zug zu sehen, erfüllt hast, obwohl der Vater und Ukwo es nicht gewollt haben!" „Sie haben sicher ihre guten Gründe gehabt, davon abzuraten; allein ich dachte mir, ein wißbegieriges Kind, wie Du es bist, darf so etwas wohl sehen, weil es dabei vieles lernen kann." „Einen prächtigen Anblick bot der König in den: j)urpurmantel mit den funkelnden Sternen. Doch aber — Mutter, — sein Gesicht ist nicht hübsch, wenigstens nicht so hübsch wie das der Königin, die ich wohl stundenlang hätte ansehen mögen." — „Man sagt, der König leide innerlich." ' „Aber die Königin, nicht wahr, sie ist gesund, gesund und auch glücklich?" „Ach, mein Sohn, auch Königinnen sind es nicht immer." „Doch, warum denn? Ihnen fehlt ja gar nichts, sie können ja alles haben, was sie wünschen." „wie Du dies verstehst, mein Sohn; allein nicht inuner birgt ein glänzendes Äußere ein glückliches Herz. — Hoher Bang und fürstliche Stellung bürgen noch nicht für den Seelenfrieden, und auch die Träger von Krollen führen oft ihre teiden.mit sich, wenn Du älter fein wirst, wirst Du mehr darüber erfahren." Mährend dieses Gespräches waren Mutter uuö Sohn nach ihrer Wohnung gelangt. Es war ein kleines Haus, das sie betraten. Die Frau begab sich nach einen: in: Vorderraun: belegenen Zin:n:er, während der Knabe auf den Hof lief, wo sich ein kleiner Anbau befand. In diesen Anbau trat der Knabe ein. wir werfen einen Blick in das Innere des sich ihn: erschließenden Raumes und werden bald gewahr, daß wir uns bei einen: Handwerker befinden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.