Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 7 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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100 Marimnne. Geschichtliche Erzählung aus dem letzten Jahrhundert vor der gewöhnlichen Zeitrechnung. Von Ul o ritz 5 ch er bei. I. Derk6rrigliche Arrfzng. Es war ein herrlicher Ulaitag im Zahre 5\ vor der gewöhnlichen Zeitrechnung. Sanft und milde fielen die Strahlen der Sonne auf die Straßen Jerusalems, der Hauptstadt von Zudäa, hernieder; diese herrliche Stadt, vor fünf Jahren durch der Römer rauhe Hand in einen Trümmerhaufen verwandelt, erstrahlte in neuen,, vorher nie gekannten Glanze. heute hatte sie noch ganz besonderen Schmuck angelegt. Der König herodes sollte nach einer überstandenen Krankheit die erste Ausfahrt unternehmen. Dieses war dem Volke bekannt geworden, und in Hellen Scharen strömte es herzu, um sich an dem glänzenden Anblick zu weiden, der ihn, werden sollte. König herodes war nicht bei allen Teilen seines Volkes beliebt, denn er verdankte den Thron eben nur seiner Klugheit und Kühnheit, er war bei vielen inehr als Herrscher, denn als Landesvater geliebt und geehrt. Nichtsdestoweniger aber besaß er doch einen großer, Anhang, der ihn bei jeder Gelegenheit zu feiern wußte und der ihm auch zu der Benennung „herodes der Große' verholfen hatte. Zn den Straßen, durch welche der König seinen U)eg nehmen sollte, waren die Häuser auf das mannigfachste und prächtigste geschmückt. Große Menschenmengen hatten sich angesainmelt und erwarteten den fürstlichen Aufzug, der immer etwas prachtvolles an sich trug, so oft er sich zeigte. Endlich tauchten aus der Lerne die Vorreiter auf. hell spiegelten sich die Sonnenstrahlen in den glänzenden Rüstungen, wie sie damals die vornehmen Krieger Roms trugen; denn König herodes lieble cs, römische Sitten nachzuahmen und sich seine Umgebung darnach zu bilden. Den Vorreitern folgte alsbald der königliche Magen, der, von überreichem Golde starrend, weithin funkelte und glitzerte. Zn den, Magen erblickte man das Königspaar. Das Gesicht des Königs herodes zeigte noch Spuren einer überstandenen Kraukheit. Aber auch sonst trugen seine Züge den Ausdruck der Sorgen, der Unzufriedenheit. Neben ihn, saß seine Gattin, die Königin Ulariamne, ein Bild vollendeter Schönheit. Sie war eine Enkelin des Königs hyrkan des Zweiten, eines Fürsten aus hasmonäischen, Hause. Neben den, Adel des Gesichtsausdruckes und den, Liebreiz, der ihr ganzes Mesen erfüllte, war sie mit allen jenen Vorzügen ausgestattet, die sie auch ohne königlichen Schn„,ck in majestätischer Mürde und Erhabenheit erscheinen