Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 7 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 5)
- Language
- German
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99 Zeiten geboten. 2. B. Nos. 12,14 heißt es: „Und dieser Tag sei ench Znm Andenken, und ihr sollt ihn feiern als ein M des Ewigen; noch für eure künftigen Geschlechter sei es eine ewige Satzung, daß ihr ihn feiert." Aber es blieb für die ^eier nur noch die Enthaltung von der Arbeit, das Essen der ungesäuerten Brote und der Gottesdienst in den Synagogen übrig. Außerdem aber war schon durch das mosaische Gesetz jeder Hausvater verpflichtet, seinen Kindern die Bedeutung des Heßachfestes zu verkünden: „Und du sollst deinem Sohne knnöthun an selbigem Tage und sprechen: Solches geschieht wegen dessen, was der Ewige an mir gethan, als ich aus Ägypten zog." (2. B. Nos. 13,».) wie dieses Kundthun Zu geschehen habe, darüber ist keine Vorschrift gegeben, und wie sie geschah, darüber ist auch wenig berichtet. wie man sie aber in den Jahrhunderten nach der Zerstörung des Tempels einrichtete, das ersehen wir aus der sogenannten peßachhaggaöah. Diese Haggadah enthält die Vorträge für die beiden ersten Heßachabende im Familienkreise (Sederabende), über die ich euch vor Zwei fahren ausführlich erZählt habe. Diese Haggadah ist also nach der Zerstörung des Tempels allmählich entstanden, und Zwar der älteste Teil (bis nischmas einschließlich) in der Zeit des Talmuds, also bis ums stahr 500; der Zweite Teil (bis Zum ki lau 1106) in der Zeit bis um 1200, und der jüngste Teil, die 4 letzten Lieder der Haggadah enthaltend, entstand noch später (14. und 15stahrh.). Dle Hallelspalmen, die sich in dem ältesten Teile der Haggadah finden, wurden von den Leviten während des Schlachtens des Pehachopfers gesungen. ste trauriger die Zeiten waren, die über die studen in der Zerstreuung, namentlich in den Jahrhunderten des Nittelalters hereinbrachen, je grausamer der Druck war, unter dem sie ihr gequältes Leben hinschleppten, um so inniger feierten sie das Zest der Befreiung, um so inbrünstiger hegten sie die Hoffnung, daß auch für sie die Erlösung kommen werde, was sie so Zuversichtlich gehofft haben, ist ja teilweise in Erfüllung gegangen, und mit freudigem Danke gegen Gott wollen wir es bekennen, daß sich die Zeiten gebessert haben und daß wir in den meisten Ländern für unser Leben und Eigentum nicht mehr Zu fürchten haben. Aber es giebt noch Länder, in denen die studen ihres Lebens und Eigentums nicht sicher sind; in anderen wieder leben sie unter schwerer Bedrückung und harren der Befreiung und Erlösung; überall aber hat man gegen sie noch so viele Vorurteile, daß man ihnen mißtraut, daß man sie nicht achtet oder gar haßt, wir hoffen Zuversichtlich, daß bald die Zeit kommt, wo alle auch dem studen Gerechtigkeit widerfahren lassen, wo man die Vorurteile gegen ihn anfgeben, und er endlich frei bleiben wird von all den Kränkungen, die er sich heute noch gefallen lassen muh. Diese Zuversicht soll das peßachfest in uns erwecken und kräftigen. Dr. Kuttner.