Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 6 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9620171-9622086-9622194--0983-9622208- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
92 boibehalten, eine silberne Münze (einen halben Schekel) für irgend einen von den Vorstehern zu bestimmenden heiligen Zweck zu opfern. Neben der Übung wohlthätiger Merke findet schließlich seit den ersten Purimtagen auch die Ausübung kder anderen oben erwähnten Pflicht am Feste ihre Stätte. Getreu der Mahnung der Megillah wird eine Mahlzeit abgehalten, die an Speise und Trank vor den übrigen Tagen sich auszeichnet. Köstlichere Gerichte werden auf den Tisch gestellt und besonders dein Meine wird tüchtig zugesprochen. Menn aber auch mancher diese Fähigkeit so weit ausbildete, daß er den „Unterschied nicht mehr kannte zwischen dem Treiben jhamans und der Thätigkeit Mordechais," so durfte dieses Trinken doch niemals zu einer übermäßigen Schlemmerei ausarten; stets hielt es sich in den Grenzen der Mäßigkeit. Tiefe Gebräuche stellen einen Teil der verschiedenen Arten des Scherzes, des Spottes und der Belustigung dar, durch welche jung und alt seine Teilnahme an dem purimfeste bezeugen will. Daß auch der Trust nicht vergessen wird, dafür sorgen Gebete, die in sinniger und weihevoller Meise den Tag besingen, dafür sorgt zunral die Vorlesung der Megillah, die ja neben freudigen Begebenheiten soviel ernste und traurige Blätter enthält. Zur Erinnerung an Kaiser Wilhelm I. Die zehnjährige AViederkehr des Todestages Kaiser "Wilhelm I. am (9. März) ruft in uns einige interessante Züge aus dem Leben des grossen Kaisers wach, die wir euch mitteilen wollen: Als der Kaiser an einem Sommertage die Gartenanlagen in Babelsberg besichtigte, wurde er dabei von einem Gärtnergehilfen begleitet, dessen immer wachsende Befangenheit dem Monarchen auffiel. Auf die Frage des Kaisers: „Sagen Sie freimütig, was Sie haben,“ erklärte der junge Mann, dass er Einjahrig-Freiwilliger sei und zu der und der Stunde sich in der Kaserne zu Potsdam zu stellen habe. „Dann,“ sagte der Kaiser, nach der Uhr sehend, „haben Sie allerdings die Zeit versäumt. Inzwischen legen Sie schleunigst Uniform an und melden sich bei mir." Als der junge Soldat zur Meldung erschien, fand er den Kaiser in seiner Equipage sitzend und erhielt die Aufforderung, mit "Wehr und "Waffen einzusteigen. Der Kutscher liess die Pferde im schnellsten Galopp dahinsausen und lenkte das Gespann direkt nach dem Kasernenhof, da trotz aller Eile, die bestimmte Zeit bereits verstrichen war. „Herr .Hauptmann“, sagte der Kaiser zu dem Kompagniechef, „ich bringe einen Verspäteten. Bei Bemessung der Strafe vergessen Sie nicht, dass ich die Veranlassung bin.“ * * *