Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 6 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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91 welche sich ihnen hauptsächlich Hingaben, wurden wach gehalten und an den Inhalt der Wlegillah, den sie vom Unterricht und vom Hause her kannten, immer von neuem erinnert. Dennoch versuchten einsichtige Leute, — anfangs zwar ohne Erfolg — diese Gebräuche zu unterdrücken, und wenn es auch den Rabbinern und Vorstehern nicht überall gelungen ist, sie zu entfernen, so sind sie heute wohl in den meisten Städten bis auf eine dunkle Erinnerung geschwunden. Noch älter ist eine andere Art der Verspottung Hamans. Schon in der Zeit der Taonim, also im 9- und sO. Jahrhundert, verfertigte man puppen, welchen man den Namen Baman beilegte, und unter großem Zulauf, unter Spottliedern und sonstigen Verhöhnungen wurde ein Scheiterhaufen errichtet und auf ihm die Puppen verbrannt. In anderen Gegenden wiederum wurden Bilder gemalt, die Haman darstellten, und an dem Dache irgend eines hohen Hauses befestigt zur Erinnerung daran, daß Haman an einem Galgen von 50 Ellen Höhe aufgehängt worden war. Aber nicht nur während der Vorlesung der Blegillah nnd im Anschluß an ihre Erzählung suchte und fand man Belustigung, auch soust vergnügte man sich an Spielen, wie solche für andere Tage des Jahres verpönt waren. Schon im \5. Jahrhundert lehrte ein hochgeachteter Sittenlehrer: „Sei niemals allzu lustig, nur am Thanukah und Purim, da magst du fröhlich sein; geschieht es doch run Gottes Willen", und so wurde an diesem Tage selbst das sonst so streng verbotene, ja sogar mit Strafe des „Bannes" belegte Kartenspiel gepflegt. Ganz besonders festlich wurde der purimtag durch Geschenke begangen, die teils guten freunden, teils den Armen zugesandt wurden. Schon am frühen Wlorgen wurden die Kinder ausgesandt, den Armen Gaben zu bringen, und auch dieThristen wurden hierbei nicht vergessen, die ja vielfach während des Jahres besonders am Sabbat, zu Dienstleistungen herangezogen worden waren. Hier, durch sollte frühzeitig der Sinn der Kinder für Wohlthätigkeit und Dankbarkeit geweckt werden. Dieser Gebrauch wurde darum so eifrig geübt, weil er in dem Estherbuche ausdrücklich für diesen Tag vorgeschrieben ist. Denn es heißt dort (Kap. 9 v. 22) daß „die Juden diese Tage durch treffliche Blahizeiten und ^reudenbezeugungen feiern und einer dem anderen Geschenke schicken sollten und Gaben den Annen." In allen Synagogen ist daher — um dem letzten Teile der Vorschrift zu genügen — auch heute noch eine Büchse aufgestellt oder ein Sannnelteller, in den ein jeder bald eine größere, bald eine kleinere Spende hineinwirft; der Erlös wird dann unter die Armen der Gemeinde verteilt. Ein zweiter Sammelteller enthält die Aufschrift: „Machazith Haschekel" (halber Schekel). Weil nämlich in der Zeit, als der Teinpel in Jerusalem noch stand, um die Zeit des purimfestes die allgemeine Tempelfteuer, ein halber Schekel, von jedem Juden eingefannnelt worden war, habe,» wir als Erinnerung den Gebrauch