Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 6 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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88 sie in ihrer Liebe zu dem Enkel fürchtete, die Freunden könnten ihm dasselbe Schicksal bereiten wie einst ihrem Sohne! Endlich werden wir es auch natürlich finden, daß der Knabe sich glücklich fühlte, mit seinen früheren Landsleuten die Sprache seines Vaters reden zu können, dem er ein so treures Andenken bewahrte. Daniel Sanders. Ein Gedenkblatt für die reifere Engend. Von AI. Andorn-L-attingen. Am I I. AlärZ war ein stahr ins Land gegangen, daß der nnerbittliche Eod nuferer Größten einen, den fprachgewaltigen Daniel Sanders abberief, jn seiner Geburtsstadt, dein kleinen mecklenburgischen Alt-Strelitz ist der Dochbetagte. aber mit jugendlichem Lenste schaffende Großmeister unserer deutschen Sprache Zu seinen Vätern eingegangen. stni folgenden soll nun eine knrZe Schilderung seines Lebensganges gegeben werden. Daniel Sanders wurde als der Sohn eines Kaufmannes im stahre 1819 in Alt-Strelitz geboren. Zuerst besuchte er die von tüchtigen Lehrern geleitete Schule daselbst, dann das Gymnasium Zu Reu-Strelitz, 19 stahre alt bezog er die Universität Berlin, um vornehmlich Naturwissenschaften und Sprachen Zu studieren. Gegen Ende seiner StuöienZeit ging Sanders dann nach HÄle Aach der Promotion (Erlangung der Doktorwürde) kehrte er 1842 in die L)einiät Zurück und leitete während Zehn fahren die israelitische Schule seiner Vaterstadt. Um sich jedoch ausschließlich dem Sprachstudium widmen zu können, gab Sanders die Leitung derselben auf und lebte als ^rivatgelehrter in Alt-Strelitz weiter. Von dort aus sandte er dann seine Schriften in die Welt, von denen vor allen sein „Wörterbuch der deutschen Sprache — mit Belegelt von Luther bis auf die Gegenwart" seinen Hennen unsterblich machen. Dasselbe steht wohl ohne Beispiel als Werk eines einzigen Menschen in der Literatur aller Völker. Jn etwa sieben stahren von 1858—1665 hat Sander dieses Biesenwerk, durch welches er sich selbst ein „Alonument, dauernder als Erz" errichtet hat, vollbracht. Mit berechtigtem Stolze durfte er sagen, daß es trotz mancher Mängel, die einem solchen Werke unvermeidlich anhaften werden, das einzige umfassende und innerlich vollständige Wörterbuch der heutigen hochdeutschen Sprache öarstelle. Ferdinand Freiligrath nennt es „ein Denkmal deutschen Geistes, deutschen Wissens, deutschen Fleißes, deutscher Gründlichkeit, wie es wenige giebt." So war aus dem äußerlich uuscheinbaren, fast in dürftiger, ällßerster Zürückgezogenheit lebenden jüdischen Gelehrten — wie ihn uns ein bekannter Schriftsteller schildert — auf dessen winziger, nicht ganz ebenmäßiger Gestalt ein bleicher, feingeschnittener Kopf