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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 6 (1898) · p. Seite 87

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
6 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 87 (sequence 9)
Language
German
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fünften, daß sie ihn gar nicht entlassen wollten. Sie nahmen ihn tief in das Preufenknft mit, und fta er so frelnd und so mittellos war, so folgte er ihnen schließlich willig. Als sie zu einem französischen Depot angelangt waren, wurde er eingekleiftet und bei dem Train verwendet. So war er französischer Soldat geworden, machte die folgenden zwei Ariegsjahre mit, deren Ende ihn, mehrfach verwundet, in einem Nazareth antraf. Geheilt wurde er entlassen und lebte nun in Frankreich als ein armer Jüngling. IPif wollen die Not und Drangsale, die er mit dem Leben kämpfend in den nächsten fahren zu bestehen hatte, nicht beschreiben. was ihn aufrecht erhielt, was ihn immer wieder vom Aande des Abgrundes zurückriß, indem er, verzweifelnd an der Ankunft, sich wehrlos fallen lassen wollte, war der Gedanke an seine Eltern, der Gedanke an das Gelöbnis, zu ihnen zurückzukehren. Endlich ging auch ihm eine freundliche Sonne auf. Ein Glaubensgenosse,- der ihn in seiner hilflosen Lage getroffen, nahm sich seiner an, verwendete ihn in seinem Geschäfte und gab ihm endlich die Hand einer seiner Töchter. Es war kein bemittelter wann, und sie hatten um das Notdürftigste hart zu arbeiten. Aber eiserner Fleiß und die besonnenste Mäßigkeit bringen doch immer etwas vor sich, und er sah bereits einer besseren Zukunft entgegen. Gott schenkte auch ihm einen Sohn; aber die junge wutter sollte sich dieses göttlichen Gnadengeschenkens nicht lange erfreuen — kurze Zeit nach der Geburt des Anaben starb sie. Dies war ein harter Schlag, der nur ein Gefühl zur Folge hatte: dew unüberwindlichen Drang, fein Gelöbnis endlich zu erfüllen, und, wie es auch komme, zu seinen Eltern zurückzukehren. Noch zwei Zahre arbeitete er angestrengt, dann verkaufte er alle seine habe, nahm seinen blühenden Anaben, sagte seinen Schwiegereltern und Frankreich Lebewohl und kehrte zu der einsamen Hütte am Ende des polnischen Dorfes zurück. So war er wieder gekommen. Sein kleines Vermögen war in dem polnischen Dorfe ein stattlicher Besitz, der das Vaterhaus behäbig machte und die wenschen bei ihren geringen Benürsnisseu ernährte. Er legte die Landestracht feiner Glaubensgenossen wieder an, und verwandte sein A)issen nur daraus, seinen Anaben zu unterrichten und mit der IPelt da draußen etwas bekannt zu machen. Zehn Jahre gingen in Frieden dahin — da hatten die greise wutter und der blühende Sohn die bittern Thränen der Trauer am Grabe des warmes zu weinen, den ein Nerveusieber dahingerafft hatte. Jetzt wird Dir, lieber Leser, so manches begreiflich erscheinen, was Dir beim Lesen der Erzählung sonderbar erscheinen mußte. Jetzt kannst Du Dir das wißtrauen der Alten erklären, das sie gegen die Fremden, die sie als Franzosen erkannte, an den Tag legte. wußten da nicht jene Schreckensbilder des Jahres s8s2 ihr vor die Seele treten, da sie sich Franzosen gegenüber sah? wir können der fürsorglichen Großmutter wohl nachempflnden, weshalb sie den geliebten Anaben vorborgen hielt, war es ein wund; daß

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