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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 6 (1898) · p. Seite 86

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
6 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 86 (sequence 8)
Language
German
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86 - 'i Ein vollständiger plan lag der Entführung zu Grunde. Erst fragten die Franzosen ihn um den Weg. Der Anabe mochte wohl gehofft haben, die Arieger würden sich um so eher entfernen. bereitwilligst und schnell gab er ihnen deshalb Auskunft. Als sie aber eine Strecke gegangen waren, da ergriffen die rohen Arieger den wehrlosen Anaben und zwangen ihn, nnt ihnen zu gehen, die geladene Pistole am Aopfe, um ihn bei dein ersten Zeichen des Verrates niederzuschießen. Der Anabe hatte, Thränen in den Augen, beim Weggehen die jammernden Eltern zu beschwichtigen gesucht und ihnen heilig gelobt, wiederzukommen, sobald es nur möglich wäre, und in einem oder zwei Tagen würde er gewißlich heimkehren können. Aber die Eltern hatten dies nicht geglaubt und die Liebesworte des Lohnes ihren Aummer nur vermehrt. Das Geräusch der Waffen und Schritte der bösen Feinde war verklungen, und das alte Schweigen der Waldwüste uni die Hütte war wieder ein betreten. 2luch bie Kammertöne der Wutter und das laute Stöhnen des Vaters verstummte allmählich. Aber der Sohn kehrte nicht wieder. Zahre vergingen, die Hoffnung, die von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Alond zu DIond und endlich von Zahr zu Zahr in denr Vater- und Wutterherzen iinmer wieder erwachte und die sonderbarsten Entschuldigungsgründe erfand, entschlummerte doch endlich für immer, denn der Sohn kehrte nicht wieder. Der Wann alterte und starb mit denr Aufe auf den erbleichenden Lippen: „Wein Sohn, nrein Sohn!" Und er wurde eingethan zu feinen Vätern, und das Weib blieb einfanr zurück, ihr Auge ward blöde und ihr Aücken gekrümmt, aber der Sohn kehrte innner nicht wieder. Da eines Tages, kurz vor denr peßachfeste, der Lenz hatte bereits feinen ersten grünen Schinrnrer über die kleinen Gärten und Felder des Dorfes gelegt, und die einsame Frau hatte nach alter Weise ihr Häuschen zum Empfang des Festes gesäubert, hielt ein Wagen vor der Thüre, und als das Weib erstaunt über dieses unerhörte Ereignis hinausgeeilt, stieg ein stattlicher Wann in frenrder Tracht aus dem Wagen und hob aus ihm einen schönen Anaben von. zwei bis drei Jahren heraus. Wer war dies? Der Wann und die Frau sahen sich prüfend an, aber das verödete Wutterherz empfand keine Ahnung, bis die bewegte Stinnne des Wannes ausrief: „Wutter, Wutter, erkennst Du Deinen Sohn nicht? Wo ist nrein lieber Vater?"- Wir wagen es nicht, die folgende Scene zu beschreiben. Der Sohn war wieder da, aber wie verändert! Er hatte seine U lütter in seinen Armen, aber wie verändert! — Der Anabe hatte die Soldaten gut geleitet, aber hart auf ihren Füßen folgten ihnen Aosaken, sagten ihnen selbst bis über die Grenze nach und nrachten es so dem Anaben unmöglich, wieder zurückzukehren, da er bei ihnen nur den Tod des Verräters zu erwarten gehabt hätte. Aucb hatten die Franzosen cen ailstelligen Jungen so brauchbar zu allen möglichen Diensten ge«

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