Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 6 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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teils in jenem verdorbenen Deutsch, das die Juden in Polen und Rußland sprechen, rief ihnen die Alte mit kraischender Stimme und sichtbarem Unwillen ZU- „Mer seid Ihr? N)as wollt Ihr in der dunklen Nacht in diesem etnsamen ^»ause? Mas stört ihr die Ruhe einer alten Frau?" Allein die Männer verstanden weder ihr polnisch, noch ihr Deutsch. Mit bittender Stimme und in einer Sprache, die der Alten zwar nicht verständlich, wohl aber nicht ganz unbekannt schien, gaben die Männer ihre Bitte um Einlaß zu erkennen. Das N)eib wurde einen Augenblick still und murmelte halblaut: „Mas ist das? Sind das nicht Zerfoßim (Franzosen)? Mo kommen die her? Es ist doch keine Milchomoh (Krieg) wie damals ... ich will sie 'rein lasten, das Metter ist so schlecht, es sind^doch Menschen." Sofort öffnete sie auch den unteren Teil der Thür und ließ die Fremden herein. Sie traten in das einzige Zimmer des Dauses ein, während die Alte eine Öllampe anzündete und ihnen dann hölzerne Schemel zum Sitzen anbot. Alsdann entnahm sie einem Schranke eine Flasche und zwei Gläser und schenkte diese voll Branntwein, um die von Nässe und Frost durchschauerten Fremden zu erquicken. Diese nahmen den Trunk freundlich an und sahen sich verwundert in dem kleinen Gemache um, wo bei offenbarer Armut doch mehr Sauberkeit herrschte, als in den Däusern polnischer Dörfer gewöhnlich zu finden ist. Die alte Frau ging dabei unruhig auf und ab, machte sich bald hier, bald dort zu schaffen, und beobachtete die Männer mit scharfem Auge Erst als die Männer die durchnäßten Mäntel abgelegt und die Alte erkannte, daß sie keine Soldaten waren und auch keine Maffen trugen, da schien sie ruhiger und zutraulicher zu werden. Mas half es aber ihr und öen Männern, daß sie sie abermals anredete und ungefähr bemerkte: „Ich sehe, Ihr seid keine Männer der Gewalt, die aber auch bei einer armen, einsamen alten Mitwe nichts zu holen hätten. Ihr seid vielleicht gute Reisende, die sich verirrt haben; Ihr könnt die Nacht hier bleiben, aber helfen kann ich Euch nicht." Die Männer lauschten ihren Morten, ob sie etwas daraus entnehmen könnten, aber es wurde ihnen nichts weiter klar, als daß die Alte über die Störung besänftigt war. Sie schüttelten mit den Köpfen und wußten nicht, was die beginnen sollen. Da hörte man mit einem Male ein Klopfen an der Thüre, die in eine Kammer oder dergleichen führte, und eine jugendliche Stimme rief in leisem Tone: „Großmutter, mach doch auf, laß mich herein, es scheint ja alles ruhig zu sein." Die Frau besann sich jetzt auch nicht lange, sondern öffnete die Thür, und ein hübscher Knabe von ungefähr fünfzehn Jahren, in der gewöhn-