Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 5 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Aber nur wenige wußten von der edlen Handlung Rothschilds, der seine wohlthaten ebensowenig an die große Glocke zu hängen pflegte, wie seine Geschäfte. In dem galizischen Dorfe aber sprach man lange von nichts anderem als von dem Testamente des alten Juden, und wenn die Pfarrersköchin Besuch bekam, war es das erste, daß sie die wunderbare Geschichte erzählte von dem Hausierer Abraham und seinen sieben Rindern, die Rothschild zu sich nach IDien genommen. Purim und Fasching. Die meisten christlichen Feste sind bekanntlich dem studentume entlehnt; natürlich hat man ihnen einen dem Bekenntnisse des Christentums entsprechenden Sinn untergelagt. So ist z. B. der Sonntag ans dem Sabbath, Estern aus Peßach, Weihnachten aus Lhanukkah u. s. w. entstanden, weniger bekannt dürfte es jedoch sein, daß auch unser Purim dem Fastnachtsfeste* mit seiner üblichen Maskerade Zum Muster gedient hat. Der Earneval oder Fasching, der besonders in Italien, am Rhein (Löln), auch in Süddeutschland mit großem Aufwand gefeiert wird, soll nach der Ansicht einiger ein Überbleibsel der heidnischen Bacchusfeste sein. Andere wieder leiten ihn aus denl altgerinanischen Mfeste her. Das sind jedoch nicht stichhaltige Behauptungen; denn in Wirklichkeit ist der Earneval dem jüdischen Leben entnommen. Rach dem Buche Esther soll das purimfest, deni so wschselvolle Ereignisse Zu Grunde liegen, für alle Zeiten als ein fröhliches Fest mit Gastmahl und Beschenkungen gefeiert werden. Die Maskerade am Purim (wie unsere Purimbeilage sie aufweist), ist wohl ebenso alt wie das Fest selbst. Der Ursprung der Maskerade ist im Buche Esther, Kapitel 7, Vers 8 Zu suchen. Dort heißt es: „Das Wort war aus dem Munde des Königs gegangen, und sie verhüllten das Gesicht Hamans." Einer unserer bedeutendsten Bibelerklärer, M Esra, erklärt diesen Satz so: „Die Diener bedeckten das Antlitz Hamans. Cs ist ans der persischen Geschichte bekannt, daß man einem beim Könige in Ungnade Gefallenen das Gesicht bedeckte, damit der König es nicht mehr sehe." Aus dieser Verhüllung entstand die Maskerade, die Zur Erhöhung der Festesstimmung wesentlich beitrug. Daß die Maskierung (auch Verstellung oder Verkleidung) ein harmloser und recht erheiternder ScherZ ist, das beweisen die heiteren Mienen der auf, unserm Bilde gezeichneten Personen, und ihr alle habt es gewiß auch schon erfahren. Als ein Beweis für den jüdischen Ursprung der Maskerade und Earneval-ScherZe dürste auch wohl der Umstand angesehen werden, daß gerade iu denjenigen Städten, in denen die ältesten jüdischen Gemeinden sich nach-