Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 5 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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73 Uebrigens dachte man in alten Zeiten über manche Dinge anders, als wir heute denken; und manches, was wir als Betrug mit Recht tadeln, galt damals als rühmliche Klugheit. Die spätere Zeit hat sich an Jakobs Betrog niemals ein Beispiel genommen. ,,Redet einer mit d§m andern Wahrheit,“ ruft der Prophet Zacharias (8,16) aus. Esau war nun über den Verlust des Segens so zornig, dass er dem Bruder nach dem Leben trachtete. Um jedoch den Vater nicht zu betrüben, wollte er erst dessen Tod abwarten, dann aber Jacob töten. Das erfuhr Rebekka und beschloss, diesen zur Sicherheit nach Daran, zu ihrem Bruder Laban, zu schicken. Ihrem Manne sagte sie das nicht, denn das hätte den Greis sicherlich sehr betrübt; aber ohne dessen Wissen konnte Jakob doch auch nicht fort. So klagte sie dem Isaak den Kummer, den ihr die heidnischen Frauen Esaus machten: „Ich bin des Lebens überdrüssig, um der Töchter Heths willen. Wenn nun Jakob auch ein Weib nimmt von den Töchtern Ileths, von den Töchtern des Landes, wie diese sind, was soll mir dann das Leben?“ Isaak, der ja selbst Herzeleid genug über Esaus Frauen empfand, berief sogleich den Jakob und beauftragte ihn, nach Padan-Aram, zu den Verwandten seiner Frau zu gehen, und sich von dort eine Frau zu holen; er entliess ihn mit dem „Segen Abrahams,“ d. h. mit den Segensworten, die Abraham wiederholt von Gott empfangen hat: dass seine Nachkommen zahlreich werden und Kanaan besitzen sollten. So zog denn Jacob zu seinem Oheim Laban, in dessen Hause er 20 arbeitsreiche Jahre verbrachte. Als er dann mit Erauen und Kindern und zahlreichen Herden heimkehrte, vergass Esau, der inzwischen auch wohlhabend geworden war, seinen Groll um so leichter, als Jakob sehr unterthänig und ehrerbietig gegen ihn war. Zudem war doch Jakob nicht durch Erbschaft, also zum Schaden Esaus, sondern durch eigene Arbeit wohlhabend geworden. Jakob weilte nun an verschiedenen Orten, von denen aus er seine Eltern oft besuchte, bis er endlich nach Hebron zurückkehrte, um fortan bei ihnen zu bleiben. Bald darauf starb dann Isaak, 180 Jahre alt, und wurde von seinen beiden Söhnen in der Höhle Machpela begraben. Er hatte die Freude, seinen Sohn Jakob mit 12 Söhnen gesegnet zu sehen und daran zu erkennen, wie die Verheissung Gottes, dass seine Nachkommen zahlreich werden sollten, anfing in Erfüllung zu gehen. Rothschild's Erbschaft. Don Gsias hochglück. Als der bekannte Anselm Rotschild noch ein Rnäbchen war, da lebte in einem galizischen Dorfe ein armer jüdischer Hausierer, den der Herr mit sieben Rindern gesegnet hatte. Dem bereits am Abend des Lebens stehenden Manne wurde der Handel oft schwer genug, und wie eifrig er auch von früh bis abends seinem Berufe nachging, so reichte der Derdienst doch kaum hin für die Sieben. Zum Unglück starb ihm auch noch die Frau, und er mußte nun auch noch neben dem Geschäft die Haushaltung führen.