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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 5 (1898) · p. Seite 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
5 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 72 (sequence 10)
Language
German
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4 — 72 — schlachtet sie zwei Böcklein, stellt ein Gericht nach dem Geschmack des Vaters her, das Jakob ihm versetzen soll, um von ihm gesegnet zu werden. .Natürlich weist Jakob diesen Betrug von sich, den der Vater ja auch leicht entdecken würde, sobald er ihn nur berührte, denn er war glatt und Esau behaart. Aber die Mutter weiss auch hierfür Rat. Sie lässt ihn Esaus Kleider anziehen und legt um seine Hände und seinen Hals die Haut eines Ziegenböckleins (der Kamelziege mit dem seidenartigen Haar) und nimmt im übrigen die Verantwortung auf sich. Nun erst entschliesst sich Jakob zu dem Betrüge. Auf Isaaks Frage, wer er sei, giebt er sich tür Esau ans; und als der Vater sich wundert, dass er das Wildpret so schnell gefunden, erwidert er, Gott habe es ihm wohl entgegen geschickt. Misstrauisch betrachtet ihn Isaak, denn es ist nicht Esaus Stimme, die er hört; aber Hals und Hände sind behaart — da beruhigt er sich, isst und trinkt, küsst seinen Sohn, wobei ihm der Feldduff von Esaus Kleidern entgegenduftet, alle Zweifel schwinden, und er segnet Jabob: „So gebe dir Gott vom Tau des Himmels und von der Fettigkeit der Erde; er gebe dir des Kornes und des Mostes Fülle! Völker mögen dir dienen, Nationen sich vor dir beugen; du sollst herrschen über deine Brüder, es müssen sich vor dir (d. h. deinen Nachkommen) beugen die Söhne deiner Mutter (d. h. die Nachkommen Esaus). Fluch dem, der dir bucht, gesegnet, wer dich segnet.“ Kaum war Jakob hinausgegangen, da trat Esau mit seinem zubereiteten Wildpret ein — zum grossen Schrecken Isaaks. Alles Wehklagen Esaus half nichts; auch nicht sein Zorn darüber, dass ihm Jakob nicht nur das Recht der Erstgeburt, sondern auch den Segen gestohlen. Diesen Segen, den Isaak von seinem Vater überkommen und soeben feierlich über Jakob ausgesprochen, den konnte er nicht mehr zurücknehmen. Aber er erfuhr hierbei auch, dass Esaus Erstgeburtsrecht nicht mehr ganz unanfechtbar war. So bestätigte er den Segen Jakobs auch Esau gegenüber, indem er für diesen letzteren hinzufügte: „Von deinem Schwerte wirst du leben und deinem Bruder wirst du dienen. Doch es wird geschehen, wenn du widerstrebst, dass du sein Joch von deinem Halse wirfst/' (Wirklich waren Esaus Nachkommen, die Edomiter, unter Saul und David und weiter, bis auf Joram, den Israeliten unterthan; dann fielen sie ab, wurden aber wieder unterworfen und machten sich unter Ahas wieder frei, bis Johann Hyrkan (zur Makkabäerzeit) sie gänzlich unterjochte.) Es muss zugegeben werden, dass die Geschichte, wie sie uns in der Bibel überliefert wird, sonderbar genug ist; jede Person will das Rechte und thut doch Unrecht. Die Bibel freilich lobt auch keine von ihnen, sondern zeigt im Gegentheil, wie sie alle für ihr Unrecht büssen. Isaak musste wissen, dass Esau zum Träger der göttlichen Verheissungen ungeeignet war, und das schmackhafteste Wildpret durfte ihn nicht verführen, Esau zu segnen; aber er will gerecht sein; so muss er denn auch, ohne es eigentlich zu wollen, den Jakob segnen. Rebekka verführt den Jakob zum Betrüge, weil sie dem göttlichen Willen so am besten nachzukommen glaubt; dafür muss sie sich von ihrem Liebling trennen. Jakob täuscht seinen Vater, muss aber deshalb fliehen und 20 Jahre in der Fremde verbringen. Esau hat leichtsinnig seine Erstgeburt hingeben, deshalb verliert er auoh den Segen des Erstgeborenen. I

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