Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 5 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Auch Isaak musste lange auf Kinder warten; denn erst 20 Jahre nach seiner Verheiratung wurden ihm Jakob und Esau geboren. Sie waren Zwillinge, aber in ihrem Wesen sehr verschieden. Esau, der!zuerst auf die Welt gekommen war und darum als Erstgeborener galt, glich später insolern seinem Vater, als auch er gern im Freien umherstreifte, und wurde ein „jagdkundiger Mann,“ und Isaak ass gern von dem Wildpret seines Sohnes. Jakob dagegen war sanften Gemütes, blieb gern um die Mutter und beschäftigte sich in Haus und Hof. So war Esau mehr der Liebling des Vaters, Jacob aber der der Mutter. Beide aber wurden gleichmäsüig zum Glauben an Gott und zur Frömmigkeit erzogen, beiden wurden die göttlichen Verheissungen an Abraham mitgetheilt, beide wissen es, dass von Isaak ein gottesfürchtiges Volk abstammen soll. Alles das muss besonders der Erstgeborene beherzigen und -danach leben. Aber Esau macht sich nichts daraus; er ist zu leichtsinnig, um immer daran zu denken und danach zu leben. Und als er einst hungrig heimkommt und Jakob gerade ein Gericht Linsen (was noch heute in Syrien und Ägypten ein Lieblingsgericht ist) vor sich hat, ist er sofort bereit, sein Recht des Erstgeborenen für dieses Gericht an Jakob abzutreten. Da er ebenso gut wie dieser, wusste, dass der Erstgeborene alle Rechte des Vaters erbt und das Familienhaupt wird, so ist sein Leichtsinn um so grösser. Nun hätten die Söhne diesen Tausch ihrem Vater anzeigen müssen, aber keiner that es; vielleicht fürchteten sie sich vor ihm. Isaak weilt gleich seinem Vater mit seinen Herden an verschiedenen Orten des Landes, oft an demselben wie sein Vater, sucht die von diesem gegrabenen Brunnen und gräbt sie wieder auf; er hat, wie sein Vater, mancherlei von dem Neide der Philister zu leiden, wird aber wie dieser durch den Segen Gottes immer reicher, so dass ein Philisterkönig mit ihm ein Freundschaftsbündnis schliesst. Endlich lässt er sich in Berseba nieder, wo auch sein Vater lange gewohnt hatte. So zeigt sich auch hierin das sinnige Wesen und die kindliche Treue Isaaks. Aber schlimmer als Neid und Feindschaft der Philister war für Isaak der Kummer in seinem eigenen Hause. Als Esau 40 Jahr alt war, nahm er sich zwei Frauen von den heidnischen Kanaanitern, und ihre Lebensweise, mit ihrem greulichen Götzendienst und Aberglauben, verursachte den Eltern schweres Herzeleid. Wie Isaak und Rebekka über die heidnischen Frauen dachten, konnte Esau ganz genau wissen; und wenn er seine Eltern befragt hätte, so hätten sie ihm auch ihren Rat gegeben; aber er handelte eigenmächtig und rücksichtslos und bewies auch hierbei, dass er nicht dazu taugte, ein Gottesmann zu werden. Allein Jsaak scheint das mit den Jahren vergessen zu haben : vielleicht wurde er im Alter auch nachsichtiger; jedenfalls dachte er nie anders, als seinen Erstgebornen zu seinem Nachfolder und Familienhaupt einzusetzen. Als er nun alt und schwach und sein Auge bis zur Blindheit trübe geworden war und er bald zu sterben gedachte, befahl er dem Esau, ein Wild zu erjagen und es so zuzubereiten, wie er es gern habe, und es ihm dann zu bringen; das wollte er essen und ihm dann seinen Segen erteilen. Damit folgte Isaak freilich seinem Gerechtigkeitsgefühlaber die Mutter kannte den Esau besser und suchte daher diesen Segen ihrem Liebling Jakob zuzuwenden» Während Esau auf der Jagd ist,