Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 5 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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70 und Isaak braucht nicht wirklich getötet zu werden, ein Widder wird statt seiner geopfert. So hat Abraham eine schwere Prüfung bestanden, aber auch Isaak hat sich bewährt; auch er gehorchte still und stumm, er widersetzte sich nicht, sondern liess sich ohne Widerstand binden und erwartete gottergeben den Todesstreich. Das zeigt, dass er der rechte Sohn seines Vaters war. dass auch er Gott über alles liebte und dadurch seinen Nachkommen ein Vorbild wurde. Wie er, so haben diese in den folgenden Jahrhunderten oft genug sich ohne Widerstand zum Tode führen lassen — zur Ehre Gottes. Von diesem ernsten Ereignis in seinem Leben mag das ernste und zum Nachdenken geneigte Wesen herrühren, das wir an Isaak bemerken. Man kann sich denken, mit welcher Inbrunst Sara ihren Sohn umarmte, als sie erfuhr, dass sie in Gefahr gewesen war ihn zu verlieren! Wie hing aber auch Isaak an seinen Eltern, denen er soviel Ehrfurcht und Gehorsam bewies, und wie lange trauerte er, als seine Mutter bald darauf starb! Er konnte sich das Hauswesen ohne sie gar nicht denken, denn sie fehlte ihm überall, er war ganz untröstlich, und sein Schmerz war immer neu, so oft er das Zelt seiner Mutter betrat und es leer fand. Dann ging er wohl hinaus ins Freie, durchstreifte gedankenvoll die Fluren, betete und kehrte beruhigter heim. Er war beim Tode deer Mutter 37 J. alt, aber noch unvermählt. In damaliger Zeit, wo die Menschen viel länger lebten als heutzutage, heiratete ein Mann kaum vor seinem 40. Lebensjahre. Aber nun war es auch für Isaak Zeit, ein Weib zu nehmen. Das Weib ist aber die,wichtigste Person im Hause; es war darum Abrahams grösste Sorge dass dieses Weib auch tugendhaft und gottesfürchtig sei. Hätte . iak eine Frau von den Kanaanitern gewäht, so war zu befürchten, dass sie wieder heidnische Sitten, Untugenden, Götzendienst und Aberglauben in Abrahams Familie brachte. Deshalb sendet er den greisen Hausverwalter Elieser nach Haran in Mesopotamien, der Heimat Abrahams, um von diesen Verwandten eine Frau für Isaak zu erbitten. Es war sehr fraglich, ob ein Mädchen sich entschliessen würde, einem fremden Manne in ein fremdes Land zu folgen, und Tage und Wochen vergingen, ehe Elieser wiederkam, und Isaak ging oft genug unruhig und gedankenvoll durch Wald und Feld. Aber eines Tages — es war gegen Abend — als er, von einem weiteren Ausfluge nach dem Hagarbrunnen heimgekehrt, noch seinen Gedanken nachhing, da bemerkte er einen Reisezug, der sich ihm näherte. Nun hat auch Rebekka den einsamen Wanderer bemerkt; und als Elieser ihn als seinen Herrn bezeichnet, lässt sie sich eilig vom Kamel herab und hüllt sich, wie es die damalige Sitte verlangte, in ihren Schleier. Isaak aber bewillkommt mit Freuden die anmutige Braut. Alle kehren nun heim zu Abraham, und Elieser erzählt, auf wie wunderbare Weise er Rebekka gefunden. Sie wird Isaaks Frau, er führt sie in Saras Zelt und tröstet sich jetzt erst über den Tod* seiner Mutter. Abraham lebte noch manches Jahr; er erlebte noch die Geburt seiner beiden Enkel Jakob und Esau; dann aber starb er im Alter von 175 Jahren und wurde von Isaak und Ismael in der Höhle Machpela begraben.