Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 5 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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67 \ „Auch in den Geschäften -es Menschen" urteilt Shakespeare, -er berühmte engliche Dichter, „Zeigt sich Ebbe und Flut." Ergreift er sieZurFlut- Zeit, so führt es ihn Zu Glück; übersieht er diese, so bewegt sich seine Lebensweise immer nur in Antiefen und Glend." Wäre man bei der Arbeit'sich stets dieses Ausspruches bewußt, würden die Fälle sich bald bedeutend mindern, in denen man die eigene Natur des Menschen, d. h. seine natürliche Befähigung für sein Unglück verantwortlich machen könnte, und die „Pechvögel," „Schlemiels", oder w.ie diese Arinen sonst heißen mögen, würden dann doch seltener werden. Nach allem sind Klugheit und Umsicht notwendige Voraussetzungen im Kampfe ums Dasein. Aber sie sind es nicht allein. Gs giebt noch eine andere Macht, d.ie das handeln des Menschen beeinflußt oder beeinflussen soll, von einen; starkem willen muh jede Handlung begonnen, geleitet und Zu Ende geführt werden, wenn diese Zn dem erwarteten Ergebnis führen soll, ^ndes darf dieser starke Wille sich nicht in ungünstigem Sinne äußern und wie ein Zerstörendes Clement sich überall Geltung verschaffen wollen. Nicht oer heulende Sturm ist es, welcher das Schiff am sichersten und schnellsten durch erregte wogen fährt; viel leichter erreicht es sein Ziel, wenn eine frische Brise es treibt, und viel angenehmer ist dann die Fahrt. Wohl Zeige der strebende Mensch in seinen Unternehnmngen Energie und Entschlossenheit, Fleiß und Ausdauer, jene Stärke und Spannkraft des Willens, die großen Erfindern und Entdeckern eigen sind, aber es verbinde sich mit diesen Eigenschaften persönliche Liebenswürdigkeit und correktes Verhalten im geschäftlichen Verkehr. Niemand wird leugnen wollen, daß man sich dadurch manche Aufgabe ^'leichtert und manchen Verdruß und Ärger erspart. Das alles lernen wir aus der herrlichen Geschichte Josephs. Joseph war ein „Isch Jazliach“, ein glücklicher wann, wie die Bibel berichtet, wie er Zu seinem hohen Glücke kam, lehrt uns seine nachahmenswerte Lebensführung in der Fremde, Aus feinem Thun leuchtet Klugheit und Einsicht hervor, aus jahrelangem Dulden ein starker Wille, der auf Gottvertrauen beruht, und alle diese Eigenschaften krönte die edelste aller Tugenden, die Demut. So kam am Ende über den des Segens Fülle, der lange Zeit von Gott und dei' Menschen verlassen schien, „und Gott war mit ihm, und er war ein glücklicher Mann, in dessen Händen alles gelang." Dt. D. E.